KI im Fundraising – Wie Künstliche Intelligenz die Beziehungsarbeit stärkt
Von der Fachgruppe zur Praxis: Warum Fundraising jetzt über KI sprechen muss
Künstliche Intelligenz ist keine ferne Zukunftsmusik mehr. Sie ist da – in Redaktionen, in der Öffentlichkeitsarbeit und zunehmend auch im Fundraising. Spätestens mit der Gründung der Fachgruppe KI im Fundraising Verband wird deutlich: Die Branche will verstehen, wie diese Technologie sinnvoll genutzt werden kann – ohne ihre menschliche Seele zu verlieren.
„Fundraising lebt von Vertrauen, Empathie und Sprache. KI darf das nicht ersetzen, sondern soll diese Arbeit unterstützen“, sagt Julian Benser (i-gelb GmbH), der gemeinsam mit Andrea Reinke mit der Leitung der Fachgruppe betraut wurde.
KI als persönlicher Assistent für Fundraiser*innen
Wer Fundraising betreibt, kennt den Spagat: Viele Zielgruppen, knappe Ressourcen und stetig wachsende Kommunikationskanäle. Hier kann KI echten Mehrwert bieten – nicht als Ersatz, sondern als Assistent.
KI-Assistenten können Texte für Newsletter oder Kampagnenentwürfe vorbereiten, Inhalte für Social Media anpassen oder Fundraising-Briefe für unterschiedliche Zielgruppen personalisieren. Sie unterstützen bei der Datenrecherche, der Verwaltung von Spenderkommunikation und helfen, Antwortmails oder Dankestexte vorzuschreiben, die dann individuell verfeinert werden.
So gewinnen Fundraiser*innen Zeit für das, was wirklich zählt: Beziehungspflege und persönliche Gespräche.
Datenschutz statt Schatten-IT
Viele Teams nutzen bereits KI – oft ohne sich die Risiken klarzumachen. Mitarbeitende greifen auf kostenlose Tools im Internet zu, um Texte zu optimieren oder Ideen zu generieren. Was gut gemeint ist, kann schnell zum Risiko werden: sensible Daten, Spenderinformationen oder interne Texte gelangen ungewollt auf fremde Server.
Datenschutz und Datensouveränität sind daher zentrale Themen beim Einsatz von KI im Fundraising. Sichere, DSGVO-konforme Plattformen schaffen hier Abhilfe: Sie speichern Daten ausschließlich auf europäischen Servern und lassen sich so konfigurieren, dass keine Informationen nach außen fließen.
„Viele Organisationen merken erst beim zweiten Blick, dass sie mit frei zugänglichen Tools eine Schatten-IT aufbauen“, sagt Frauke Klemm, die bei i-gelb für die KI-Plattform ai-gelb verantwortlich ist. „Deshalb ist es wichtig, sichere und geprüfte KI-Lösungen einzusetzen, die den Datenschutz ernst nehmen.“
Mehr Nähe durch Sofort-Antworten
Auch Fundraising-Teams erleben die Ära der Sofort-Antworten. Spenderinnen und Spender, Mitglieder oder Förderer erwarten heute, dass ihre Fragen schnell und persönlich beantwortet werden – sei es zu Spendenbescheinigungen, Förderprojekten oder Mitgliedsbeiträgen.
Hier kann ein KI-Assistent als digitaler Erstkontakt fungieren. Er beantwortet Standardfragen sofort, leitet komplexe Anfragen weiter und dokumentiert Anliegen sauber im CRM-System.
„Die KI reagiert schnell, aber im vertrauten Stil der Organisation. Das stärkt Nähe, nicht Distanz“, betont Benser.
Beispiel aus der Praxis:
Frage eines Fördermitglieds:
„Ich habe meine Spendenquittung noch nicht erhalten. Können Sie mir sagen, wann ich sie bekomme?“
Antwort des KI-Assistenten:
„Vielen Dank für Ihre Nachricht! Ihre Spendenquittung wird automatisch im Februar versendet. Wenn Sie möchten, kann ich Ihnen eine digitale Kopie direkt per E-Mail zusenden oder prüfen, ob Ihre Anschrift korrekt hinterlegt ist.“
Mensch und Maschine: Sorgen ernst nehmen
Die Einführung von KI löst in vielen Organisationen gemischte Gefühle aus. Manche Mitarbeitende befürchten, dass Technologie ihre Aufgaben ersetzt oder ihre Rolle überflüssig macht.
Dabei ist das Gegenteil der Fall: KI entlastet von Routinetätigkeiten, schafft Raum für kreative und persönliche Aufgaben und kann gerade im Fundraising helfen, das Menschliche zu stärken.
„In Workshops und Schulungen mit unseren Partnerorganisationen erleben wir immer wieder, dass die anfängliche Skepsis schnell in Begeisterung umschlägt – sobald die Mitarbeitenden sehen, wie viel Zeit sie gewinnen“, berichtet Benser. „Ein KI-Assistent ist kein Ersatz, sondern ein persönlicher Kollege, der Routinefragen übernimmt. So bleibt mehr Raum für echte Kommunikation.“
Redaktionelle Unterstützung: KI in der Content-Arbeit
Nicht nur Fundraiser*innen profitieren – auch Redaktionen in NGOs stehen unter Druck: mehr Inhalte, mehr Kanäle, weniger Zeit. KI kann helfen, Themenideen zu entwickeln, Artikel zu strukturieren, Interviews zusammenzufassen oder Social-Media-Texte zu adaptieren.
Wichtig ist dabei immer: Die KI liefert den Entwurf – den menschlichen Feinschliff übernehmen Menschen mit journalistischem Gespür. KI ist kein Autor, sondern ein Co-Autor. Sie bringt Vorschläge, aber das Herz der Geschichte muss immer von Menschen kommen.
Fachgruppe KI: Wissen bündeln, Praxis fördern
Mit der neuen Fachgruppe „Fachgruppe KI im Fundraising Verband“ entsteht jetzt eine Plattform, um Erfahrungen zu bündeln, Best Practices auszutauschen und ethische Standards zu definieren.
Gerade im Non-Profit-Bereich sind Fragen nach Datenschutz, Transparenz und Authentizität zentral. Wie viel Automatisierung verträgt Beziehungspflege? Welche Prozesse lassen sich verantwortungsvoll digitalisieren?
“Wenn KI auf den richtigen Werten basiert, kann sie Kommunikation menschlicher machen – weil sie uns Zeit gibt, uns wieder auf echte Begegnungen zu konzentrieren“, betont Benser.
Ethik und KI im Fundraising
Im Fundraising geht es immer auch um Verantwortung – gegenüber Spenderinnen, Spendern und der eigenen Glaubwürdigkeit.
Darf man automatisiert kommunizieren, wenn es doch um echte Beziehungen geht? Und wo verläuft die Grenze zwischen Unterstützung und Manipulation?
Andrea Reinke von den German Doctors, die gemeinsam mit Julian Benser die Leitung der Fachgruppe übernommen hat, formuliert es so:
„KI kann Fundraiserinnen und Fundraiser großartig unterstützen – solange wir sie in einem klaren, verantwortungsvollen Rahmen einsetzen. Genau diesen Rahmen möchte die Fachgruppe schaffen: Orientierung, Austausch und praktische Hilfestellung, damit Organisationen die positiven Möglichkeiten von KI sicher und ethisch nutzen können.“
Ethik bedeutet hier nicht Verzicht, sondern Bewusstheit. Wer klare Leitlinien hat, kann den Nutzen von KI gezielt ausschöpfen – für bessere Kommunikation, stärkeren Service und mehr Zeit für das Wesentliche: echte menschliche Beziehungen.
Fazit: KI als Schlüssel zu mehr Zeit für Beziehungen
Künstliche Intelligenz kann im Fundraising nicht das Herz ersetzen – aber sie schafft Freiraum für das, was wirklich zählt: Beziehungen zu Menschen.
Ob in der Textarbeit, in der Spenderkommunikation oder im Mitglieder-Service: KI-Assistenten helfen, Routineaufgaben zu automatisieren und gleichzeitig die Qualität zu sichern.
So wird aus Technologie ein Werkzeug für das, was Fundraising immer bleiben sollte: Beziehungspflege mit Sinn, Herz und Verantwortung.
Leitung Fachgruppe KI
Andrea Reinke
andrea.reinke@german-doctors.de
Leitung Fachgruppe KI
Julian Benser
benser@i-gelb.net
Autoren-Team:
Frauke Klemm & ai-gelb als Co-Autor
klemm@ai-gelb.de
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