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15. Mai 2026
Zivilgesellschaft unter Druck? NGOs müssen stark und (finanziell) unabhängig sein!
Kriege, Klimakrise, politische Polarisierung und knapper werdende öffentliche Mittel: Hier wird die Relevanz der zivilgesellschaftlichen Organisationen besonders deutlich. Wenn Krisen eintreten, sind gemeinnützige Organisationen die Ersten, die unkompliziert Hilfe leisten. Und sie bleiben, wenn die Kameras weiterziehen, politische Aufmerksamkeit abnimmt und andere Themen die Schlagzeilen bestimmen. Sie kennen die Menschen und Strukturen vor Ort, bauen Vertrauen auf und begleiten Veränderung langfristig.

Umso wichtiger ist die Frage, wie diese Organisationen dauerhaft handlungsfähig bleiben. Der NGO-Entscheider*innenzirkel 2026 des Deutschen Fundraising Verbands brachte dafür im April zum zweiten Mal Vorstände und Geschäftsführungen großer NGOs in einem kleinen, vertrauensvollen Kreis zusammen. Einen Tag lang ging es um strategische Zukunftsfragen, neue Perspektiven und erfolgreiches Fundraising.
Ja, der Druck wächst – politisch, finanziell und strukturell. Die Zivilgesellschaft verfügt aber über Erfahrung, Netzwerke und die Fähigkeit, schnell zu handeln. Sie gestaltet, selbst unter schwierigen Bedingungen. Damit sie diese Rolle auch künftig ausfüllen kann, braucht sie eine solide und unabhängige Finanzierung.

Erfolgreiches Fundraising ist eine Leadership-Aufgabe
Den fachlichen Impuls des Tages setzte der internationale Fundraisingexperte Alan Clayton mit fundierten Erkenntnissen aus dem weltweiten „Great Fundraising Project“. Über viele Jahre wurden die erfolgreichsten Fundraising-Organisationen untersucht. Die Ergebnisse zeigen: Nachhaltiges Wachstum ist kein Zufallsprodukt und keine Frage einzelner Kampagnen. Entscheidend sind strategische Entscheidungen, eine klare Mission und Führung, die Fundraising als gemeinsame Aufgabe der gesamten Organisation versteht.
Claytons zentrale Botschaft für Führungskräfte: Erfolgreiches Fundraising ist eine Leadership-Aufgabe. CEOs und Vorstände müssen Verantwortung übernehmen, Ambitionen formulieren und die Voraussetzungen schaffen, damit Fundraising organisationsweit Wirkung entfalten kann. Die erfolgreichsten Organisationen richten ihre Ressourcen konsequent auf ihre Mission aus, stellen die Beziehung zu Unterstützer*innen ins Zentrum und schaffen eine Kultur, in der Fundraising nicht delegiert, sondern gemeinsam getragen wird.
Das ist mehr als eine Frage des finanziellen Erfolgs. Nachhaltige Finanzierung schafft Unabhängigkeit und damit Handlungsspielraum. Sie ermöglicht es gemeinwohlorientierten Organisationen, auch dann zu agieren, wenn öffentliche Mittel fehlen oder politische Prioritäten wechseln.
Die Workshops und Kleingruppen griffen diese Impulse auf und übersetzten sie in die Praxis. Der offene Austausch zeigte: Die Herausforderungen unterscheiden sich, doch die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen und voneinander zu lernen, verbindet. Konkrete Ideen für eine übergreifende Kampagne zur Relevanz von NGO wurden erarbeitet, geeignete Partner*innen gesammelt und nächste Schritte vereinbart. In weiteren digitalen Treffen und einem Workshop auf dem Deutschen Fundraising Kongress wurden die Handlungsansätze bereits weiterentwickelt.
Abends: Vertrauen, Haltung und gesellschaftliche Verantwortung
Beim gemeinsamen Abendessen wurde der fachliche Austausch persönlicher. Im kleinen Kreis entstanden Gespräche, die im Arbeitsalltag oft keinen Platz finden. Erfahrungen konnten offen geteilt, Fragen zugespitzt und neue Verbindungen bei vertrauensvoller Atmosphäre geknüpft werden.
Ein Höhepunkt war die Diskussion mit Marina Weisband Gründerin der Organisation aula und Oliver Grün von der GRÜN Software Group GmbH, moderiert von Moritz Müller-Wirth von der ZEIT. Im Mittelpunkt standen politische Arbeit, demokratische Verantwortung, digitale Bildung und gesellschaftlicher Zusammenhalt – und damit die Frage, wie Zivilgesellschaft Zukunft aktiv mitgestalten kann.

Dabei wurde eine Verbindung zum Fundraising besonders deutlich: Werte und Überzeugungen sind ein Motor für Engagement. Sie geben Organisationen Orientierung und Menschen einen Grund, sich für eine Sache einzusetzen. Klare Haltung schafft Profil und Vertrauen – bei Mitarbeitenden, Partnern und Spender*innen.
Der NGO-Entscheider*innenzirkel des DFRV verbindet damit strategisches Lernen mit vertrauensvollem Austausch. Möglich wird dieser besondere Rahmen auch durch das Engagement der ZEIT Verlagsgruppe und der GRÜN Software Group, die zum gemeinsamen Abendessen eingeladen haben.
Fazit: In multiplen Krisen braucht es eine starke, unabhängige Zivilgesellschaft. Dafür braucht es Leadership – und ein Fundraising, das nachhaltige Finanzierung als strategische Grundlage von Wirkung und Unabhängigkeit versteht.
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