Deutscher Fundraising Preis 2026

Am Dienstag, den 2. Juni 2026, wurde der Deutsche Fundraising Preis 2026 in Berlin verliehen.

Mit dem Deutschen Fundraising Preis würdigt der Deutsche Fundraising Verband (DFRV) besondere Leistungen in der aktuellen Spendenwerbung und möchte auf dieses wertvolle Engagement für eine starke Zivilgesellschaft aufmerksam machen und die Menschen, die dahinterstehen, würdigen. Die Auszeichnung ist der bundesweit wichtigste Branchen-Award.

Wir gratulieren den Preisträger*innen 2026!

Preisträger*innen 2026

1. Platz Deutscher Fundraising Preis 2026

UNO-Flüchtlingshilfe e. V. - Winter ist kein Spaß

1. Platz: UNO-Flüchtlinshilfe, Foto: Karolina Granja
1. Platz: UNO-Flüchtlinshilfe, Foto: Karolina Granja

Die Kampagne „Winter ist kein Spaß“ der UNO-Flüchtlingshilfe e.V. macht aus einer scheinbar einfachen Wahrheit ein strategisch durchdachtes digitales Fundraising-Konzept auf höchstem Niveau. Im Zentrum steht die intelligente Verbindung von Gamification und glaubwürdigem Testimonial-Einsatz.

Durch das virtuelle Packen eines Hilfskartons für Geflüchtete werden Spender*innen selbst aktiv und erleben unmittelbar, was ihre Spende bewirkt.

Prominente Unterstützer*innen sorgen dabei nicht nur für zusätzliche Reichweite, sondern vor allem für Glaubwürdigkeit und Nähe. Die Kampagne vermittelt die Wirkung der Hilfe konkret, emotional und zugleich seriös – eine Balance, die insbesondere bei einer spendenaffinen, aber nicht digital geprägten Zielgruppe alles andere als selbstverständlich ist. Ohne moralisierende Appelle, sofort verständlich und konsequent nutzerfreundlich, trifft sie die Bedürfnisse der Zielgruppe 60 plus punktgenau. Dass zugleich auch jüngere Erstspender*innen erreicht werden konnten, unterstreichen sowohl der Neuspenderanteil von 77 Prozent als auch ein Spendenergebnis von knapp einer Million Euro.

Die Jury würdigt ausdrücklich, dass datengetriebene Optimierung, kreativer Mut und strategische Weiterentwicklung hier Hand in Hand gehen. „Winter ist kein Spaß“ zeigt eindrucksvoll, dass Gamification im Fundraising weit mehr sein kann als ein aufmerksamkeitsstarkes Element: Sie wird zum wirkungsvollen Instrument, um Einstiegshürden zu senken, neue Unterstützer*innen zu gewinnen und die Marke nachhaltig zu stärken.

Die UNO-Flüchtlingshilfe ist mit dieser Kampagne ein skalierbares Best-Practice-Modell gelungen, das weit über eine erfolgreiche Wintersaison hinausweist. Genau diese Verbindung aus Innovationskraft, Professionalität und messbarer Wirkung macht „Winter ist kein Spaß“ für die Jury zum verdienten ersten Preis.

2. PLATZ DEUTSCHER FUNDRAISING PREIS 2026

Lottie mit betterplace: Gemeinsam für mehr Sichtbarkeit und Forschung bei ME/CFS von Lottie

2. Platz: Lottie mit betterplace, Foto: Karolina Granja
Foto: Karolina Granja

Die Kampagne zum ME/CFS*-Awareness-Month zeigt eindrucksvoll, wie wirkungsvoll Fundraising im Gesundheitsbereich sein kann, wenn Betroffene nicht Objekt der Kommunikation, sondern aktive Gestalter*innen sind. Statt über Patient*innen zu sprechen, stellte die Kampagne die Stimmen Betroffener bewusst in den Mittelpunkt — allen voran die von Podcasterin Lottie (Visa Vie). Sie setzt ihre eigene Erkrankung, ihre Reichweite und ihre Stimme ein, um über ME/CFS aufzuklären.

Das ist alles andere als selbstverständlich: Trotz Erschöpfung, Symptomen und öffentlicher Aufmerksamkeit trägt Lottie ihre Geschichte mit bemerkenswerter Offenheit und Verletzlichkeit nach außen und schafft so eine emotionale Nähe, die viele Betroffene selbst nicht leisten können. betterplace fungierte dabei als vertrauenswürdiger Intermediär.

Mit mehr als 370.000 Euro Spenden, über 13.000 Unterstützer*innen und einer Podcastfolge mit über 600.000 Streams übertraf die Kampagne alle Erwartungen. Sie zeigt, dass partizipatives Storytelling wirkt. Die Jury hebt besonders hervor, dass rund ein Drittel der Spenden von außerhalb der Community kamen – ein klarer Hinweis auf erfolgreiche Aufklärung und nachhaltige Sensibilisierung für eine Erkrankung, die bislang kaum sichtbar war. Die Kombination aus persönlicher Betroffenheit, gesellschaftlicher Relevanz und digitaler Reichweite macht dieses Projekt zu einem Beispiel dafür, wie patientenzentriertes Fundraising zugleich Forschungs- und Versorgungsprojekte stärkt und den Blick der Öffentlichkeit nachhaltig verändert.

* Die Myalgische Enzephalomyelitis / das Chronische Fatigue Syndrom (ME/CFS) ist eine schwere neuroimmunologische Erkrankung, die oft zu einem hohen Grad körperlicher Behinderung führt. Weltweit sind vermutlich weit mehr als 40 Millionen Menschen betroffen. In Deutschland sind aktuellen Schätzungen zufolge ca. 650.000 Menschen an ME/CFS erkrankt.

3. PLATZ DEUTSCHER FUNDRAISING PREIS 2026

JOBLINGE gemeinsam mit der Unternehmensallianz: „Allianz für das basecamp München“

3. Platz: Joblinge, basecamp München, Foto: Karolina Granja
Foto: Karolina Granja

Mit dem basecamp München ist es JOBLINGE gelungen, etwas zu erreichen, das weit über klassisches Fundraising hinausgeht: Fünf DAX-nahe Großunternehmen – die Allianz Gruppe, die BMW Group, die Infineon Technologies AG, die Siemens AG und die Lufthansa Group – haben sich auf ein gemeinsames, strategisches Engagement verständigt und stellen zusammen 750.000 Euro für drei Jahre bereit. Hinzu kommen eine Sachspende in Höhe von 100.000 Euro und umfangreiche Pro-Bono-Leistungen.

Die Jury würdigt ausdrücklich, welches Verdienst es ist, diese großen Unternehmen mit jeweils eigenen Interessen, Entscheidungsstrukturen und Markenlogiken an einen Tisch zu bringen und auf ein gemeinsames Ziel zu verpflichten. Eine solche Allianz entsteht nicht durch Zufall, sondern durch strategische Überzeugungsarbeit, Vertrauen und Ausdauer. Dass hier kein Wettbewerbsdenken, sondern ein gemeinsames Verantwortungsverständnis im Vordergrund steht, ist beispielhaft.

Das basecamp verbindet individuelle Förderung, Unternehmenskontakt und gesellschaftliche Debatte – und wird damit zu einem sichtbaren Ort gelebter Verantwortung. In nur sechs Monaten konnten bereits über 250 junge Menschen erreicht werden.

Die Allianz zeigt: Fachkräftesicherung und Ausbildung sind gesamtgesellschaftliche Aufgaben. Der Zusammenschluss von fünf Großunternehmen in dieser Form ist neuartig und sendet ein starkes Signal über das Projekt hinaus. Es ist JOBLINGE gelungen, aus Fundraising eine strategische Bewegung zu machen. Für diese außergewöhnliche Kooperationsleistung verleiht die Jury den dritten Platz.

Herausragendes persönliches Engagement

Dr. Kathrin Sachse: Zeit für Zukunft – Mentoren für Kinder e.V.

Kathrin Sachse, Foto: Karolina Granja
Foto: Karolina Granja

Die Jury zeichnet Dr. Kathrin Sachse nicht nur für ihr außergewöhnliches ehrenamtliches Engagement, sondern auch für ihr strategisches Leadership im Fundraising aus. Nach der Schließung des Mentoring-Programms „Big Brothers, Big Sisters“ gründete sie im Jahr 2013 gemeinsam mit Gleichgesinnten den Verein „Zeit für Zukunft – für Kinder e. V.“ – ohne finanzielle Mittel und ohne bestehende Strukturen. Von Beginn an übernahm sie als Quereinsteigerin die Verantwortung für den Aufbau einer tragfähigen Finanzierungsstruktur – neben ihrer Vollzeittätigkeit als Richterin.

Was diese Leistung besonders herausragend macht, ist die Systematik: Dr. Kathrin Sachse betrieb kein punktuelles Anlass-Fundraising und aktivierte nicht lediglich ihr persönliches Umfeld. Stattdessen hat sie über Jahre hinweg ein belastbares, diversifiziertes Förderernetzwerk aufgebaut und Fundraising als strategische Kernaufgabe etabliert. Ihre Arbeit zeigt, dass professionelles Fundraising Beziehungsmanagement, inhaltliche Argumentationsstärke und klare Prioritätensetzung erfordert.

Besonders bemerkenswert ist ihr Erfolg bei der Finanzierung von Personalkosten, einem Bereich, der sich nur schwer vermitteln lässt. Mit ihrer überzeugenden Argumentation stellt sie Investitionen in qualifizierte Fachkräfte als Voraussetzung für Kinderschutz, Qualität und Wirkung dar. Damit stärkt sie die Organisation nachhaltig, anstatt kurzfristige Projekteffekte in den Vordergrund zu stellen.

Das Ergebnis ist nachhaltig und beeindruckend: Seit der Gründung wurden über 2,8 Mio. Euro eingenommen, seit 2020 sind es konstant über 300.000 Euro jährlich. Heute ist der Verein solide finanziert und Arbeitgeber von fünf, bald sechs hauptamtlichen Mitarbeitenden. Dr. Kathrin Sachse steht für ein Fundraising-Verständnis, das auf Beziehung, Transparenz und Wertschätzung basiert. Dies wird beispielsweise in den persönlich verfassten Jahresberichten nach dem Social Reporting Standard sowie in der außergewöhnlich individuellen Spenderkommunikation sichtbar.

Die Jury würdigt mit dieser Auszeichnung eine Persönlichkeit, die Fundraising als Führungsaufgabe begreift, Strukturen schafft und Verantwortung übernimmt. Damit zeigt sie beispielhaft, wie strategisches Engagement eine Organisation nachhaltig trägt.