Bitte beachten Sie: Die Dokumente auf dieser und den nachfolgenden Seiten des Best-Practice-Guide sind nur zum Gebrauch für Mitglieder des Deutschen Fundraising Verbands gedacht. Eine Weiterverbreitung ist ausdrücklich untersagt.

Best Practice-Guide: Anleitung zur guten Fundraising-Praxis

Erarbeitet vom Ausschuss „Standards für eine gute, ethische Fundraising-Praxis“

Der Ausschuss ist bestrebt, Entscheidungsfragen aus der Alltagspraxis des Fundraisings mit Hilfe von geltenden Verhaltensregeln, insbesondere der „19 Grundregeln für eine gute, ethische Fundraising-Praxis“ und des „International Statement of Ethical Principles in Fundraising“, zu beurteilen und Entscheidungshilfen zu geben. Es handelt sich nicht um einen vollständigen Katalog, sondern um Zusammenstellungen, die der laufenden Ergänzung und Korrektur bedürfen. Alle Formulierungen gelten für beiderlei Geschlecht. Für gemeinnützige Organisationen wird generell die international eingeführte Abkürzung NPO, gleich Nonprofit-Organisation, verwendet.

Zur Ergänzung und Vervollständigung sollen vor allem diejenigen gewonnen werden, die Fundraising von Berufs wegen oder ehrenamtlich professionell betreiben, und sonstige Experten ethischer Fundraising-Praxis. Vieles von dem, was in dieser Anleitung vorgeschlagen wird, liegt nicht in der alleinigen Entscheidungsmacht der im Fundraising Tätigen, schon gar nicht, wenn sie nur Beratungs- und Dienstleistungsfunktion haben. Bewusstseinsbildung zu ethisch einwandfreiem Handeln sollte aber bei denen beginnen, die Fundraising ausüben. Auf Dauer sollte kein Fundraiser in einer oder für eine Organisation tätig sein, die sich ethisch einwandfreier Mitteleinwerbung entzieht.

Die Schriften im „Quellenmaterial“ entsprechen häufig nicht dem gegenwärtigen Stand. Die dort kritisierten Organisationen haben meist Konsequenzen gezogen und Mängel abgestellt. Doch die dort geschilderten Methoden sind nach wie vor aktuell, weil sie viele Nachahmer gefunden haben.

Korrekturen und Ergänzungen der „Anleitung zur guten Fundraising-Praxis“ sollten gerichtet werden an den Deutschen Fundraising Verband, Ausschuss „Standards für eine gute, ethische Fundraising-Praxis“, Brüderstraße 13, 10178 Berlin, E-Mail info@dfrv.de Mit der Bearbeitung ist Dr. Christoph Müllerleile betraut.

Berufsehre

Probleme
Herabsetzung des Berufsstandes

Entscheidungsfragen aus der Praxis
Alle Jahre zu Weihnachten berichten die Medien gerne über Missbrauch von Spenden. Fundraiser A. gibt bereitwillig Interviews, in denen er ohne erkennbare Belege davon spricht, dass es in der Branche viele „schwarze Schafe“ gebe und behauptet: „Die Hälfte aller Fundraiser sind Abzocker.“

Geltende Verhaltensregeln
Grundregeln für eine gute, ethische Fundraising-Praxis, insbesondere Regel 7.

Wie Fundraiser sich verhalten sollten
Nicht jedes Interview muss so geführt werden, wie eine allzeit kritikbereite veröffentlichte Meinung es erwartet. Wer Gutes tut, steht unter Generalverdacht, es doch nicht so gut zu meinen. Wer anderen die berufliche Reputation entzieht, entzieht sie auch sich selbst. Fundraiser sollten vor allem das Positive ihres Berufsstandes herausstellen und Kritik eher intern vor sachkundigem Publikum äußern. Bei konkretem Verdacht unethischen Verhaltens haben Fundraiser allerdings die Pflicht zur Anzeige in geeigneter Form.

Umgang mit Berufsbezeichnungen

Probleme
Schutz der Berufsbezeichnung „Fundraiser“

Entscheidungsfragen aus der Praxis
Werber an Dialogständen oder im Haustüreinsatz werden von NPOs und Agenturen als „Fundraiser“ bezeichnet.

Geltende Verhaltensregeln
Keine

Wie Fundraiser sich verhalten sollten
Die Bezeichnung „Fundraiser“ ist nicht geschützt. Alternativen wie Spenden-, Mittelbeschaffungs-, Marketing- oder Entwicklungsreferent treffen nicht den gesamten Bereich der beruflichen Zuständigkeit und Kompetenz. Sie lassen sich lediglich als Funktionsbezeichnungen verwenden. Deshalb und auch weil sich international immer mehr Berufsverbände und Ausbildungseinrichtungen auf den Begriff „Fundraising“ und „Fundraiser“ geeinigt haben, sollte auch in Deutschland diese Berufsbezeichnung verwendet werden. Wer am Dialogstand steht, ist vielleicht ein „Dialoger“ der Organisation, für die er dort tätig ist, aber kein Fundraiser.

Aus- und Fortbildung

Probleme
Durch uninformiertes Handeln „aus dem Bauch heraus“ werden Mittel, die für gute Zwecke bestimmt sind, verschwendet. Gründliche Ausbildung und regelmäßige Fortbildung werden vernachlässigt.

Entscheidungsfragen aus der Praxis

  • „Ausbildung zum Fundraiser? wer braucht denn so etwas“, murmelt der betagte Gründer eines seit den Fünfzigerjahren erfolgreichen Hilfswerks. „Wir sind früher durch die Lande gezogen und haben die Mitglieder noch persönlich geworben. Das ist heute nicht anders. Dazu braucht man keine Schulung und keine Fachtagungen oder Kongresse.“ Doch die Spender altern mit dem Werk. Noch hält es sich mit Erbschaften aufrecht. Im Spendenbereich gibt es schon deutliche Einbrüche, und den sinkenden Einnahmen stehen hohe Kosten für selbstgestrickte Mailingaktionen gegenüber, die mit zufällig ausgewählten Telefonbuchadressen und Hauswurfsendungen durch Freiwillige gewonnen werden sollen.
  • Der Fundraiser hat die Fundrasing Akademie durchlaufen und ist bestens im Bilde, was geschehen müsste. Sein Vorgesetzter meint aber, man sollte alles beim Alten lassen, weil sich das bewährt habe. „Mit Ihrem Marketing-Getue verschreckten Sie die Spender“, meint er. Der Fundraiser resigniert und geht den Weg des geringsten Widerstandes. Die Einnahmen sinken. Das wird auf den Zeitgeist, die Konjunkturkrise und die wachsende Konkurrenz geschoben.
  • Fundraiser besuchen eine Fachtagung nach der anderen. Wieder an ihrem Arbeitsplatz angekommen, behalten sie ihre Erkennnisse für sich. „Es war interessant“, hören ihre Kollegen, mehr aber nicht.


Geltende Verhaltensregeln
Grundregeln für eine gute, ethische Fundraising-Praxis, insbesondere Regeln 12 und 13.

Wie Fundraiser sich verhalten sollten
Fundraiser haben die Pflicht, sich regelmäßig weiterzubilden und so im Vergleich zum uninformierten Einsatz von Werbemitteln eine bessere Kosten-/Ertrags-Relation zu erzielen. Zur Weiterbildung gehört auch die Kenntnis von einschlägigen Gesetzen und Verordnungen und von ethischen Grundregeln, die das Fundraising betreffen. Fundraiser sollten sich nicht nur bestens auskennen, sondern ihre Kenntnisse auch anwenden und ihre Vorgesetzten und Kollegen am Wissen teilhaben lassen. Sie präsentieren neue Erkenntnisse in ihrer Organisation regelmäßig allen, die davon profitieren können und deren Unterstützung benötigt wird.

Vergütung

Probleme

  • Fundraiser lassen sich erfolgsabhängig bezahlen.
  • Die Vergütung der Fundraiser einer NPO liegt erheblich über der von Kollegen auf der gleichen Führungsebene.


Entscheidungsfragen aus der Praxis

  • NPO A hat kein Geld, einen Fundraiser einzustellen, will aber trotzdem einen haben. Sie bietet Fundraiser P. an, für sie auf Provisionsbasis zu arbeiten. Von jeder Spende, die er sammelt, soll er 25 Prozent bekommen.
  • NPO B schreibt eine Fundraiserstelle aus, in der es heißt: „Vergütung ist Verhandlungssache“. Der daraufhin eingestellte Fundraiser bekommt eine Vergütung, die erheblich über der seiner Kollegen auf gleicher Führungsebene liegt.


Geltende Verhaltensregeln
Grundregeln für eine gute, ethische Fundraising-Praxis, insbesondere Regel 14;
International Statement of Ethical Principles in Fundraising; Selbstverpflichtung zum Spenden-Siegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen, besonders Bestimmungen 5 und 6.

Wie Fundraiser sich verhalten sollten
Vergütungen können auch in Form von Provisionen vereinbart werden, wenn der Anteil der Provisionen an der Vergütung nicht höher liegt als der einer festen, erfolgsunabhängigen Bezahlung. Der Anteil der Provisionen darf nur in Ausnahmefällen mehr als 50 Prozent betragen und dies auch nur dann, wenn durch interne Kontroll- und Schulungssysteme sichergestellt ist, dass unzulässiger Druck weder auf mögliche Förderer noch auf die Dialoger ausgeübt wird.

Vergütungen sollten sich an denen im öffentlichen Dienst oder einschlägiger Berufsgruppen orientieren. Fundraiser sollten nicht besser bezahlt werden als Kollegen in vergleichbaren Positionen innerhalb derselben NPO.

Ehrenamtliche Fundraiser erhalten nur Aufwandsentschädigungen.

Quellenmaterial
Kai Fischer: Provisionen – der Fluch im Fundraising, in: Fundraising professionell1/2008, S. 34–42.

Persönliche Glaubwürdigkeit

Probleme

  • Der Fundraiser steht nicht hinter der guten Sache, um deren Unterstützung er andere bittet.
  • Der Lebenswandel oder die Einstellung des Fundraisers widersprechen dem Zweck, für den er andere um Gaben bittet.
  • Der Fundraiser erwartet engagierten Einsatz von Ehrenamtlichen, auch am Wochenende, macht selbst jedoch Dienst nach Vorschrift.
  • Fundraiser beauftragen Agenturen als Dienstleister rein über den Preis.

 

Entscheidungsfragen aus der Praxis

  • Ein in der NPO angestellter Fundraiser unterstützt seine NPO nicht durch eigene Spenden, Dauerspenden, Zustiftungen.
  • Der Gründer eines Vereins, der in Kindergärten und Schulen als Märchenerzähler auftritt und Spenden für seinen erzählpädagogischen Verein sammelt, lässt seine eigenen Kinder verwahrlosen.
  • Der Fundraiser veranstaltet eine Kampagnenwoche mit freiwilligen Spendensammlern, die er von Ehrenamtlichen organisieren lässt. Er selbst hält sich raus, weil er schon so viele Überstunden angesammelt hat.
  • Der Fundraiser beauftragt eine Agentur, die zwar die niedrigsten Preise macht, dies aber vor allem durch Ausbeutung von Praktikantinnen und Praktikanten und Freiberuflern sowie durch Niedrigstlöhne für Festangestellte schafft. Darüberhinaus nimmt die Agentur Aufträge dubioser Spendensammler an und die Leiter genießen persönlich einen zweifelhaften Ruf. Die Agentur gehört keinem Verband an und kümmert sich nicht um Standes- und Ethikregeln.

 

Geltende Verhaltensregeln
Grundregeln für eine gute, ethische Fundraising-Praxis, insbesondere Regeln 3 Solidarität, 4 Berufsstand, 17 Ausübung.

 

Wie Fundraiser sich verhalten sollten
Fundraiser unterstützen den guten Zweck ihrer Organisation mit starkem Engagement, ihrer Zeit und ihrem Geld – nach ihren finanziellen Möglichkeiten.

Fundraiser konterkarieren ihr gemeinnütziges Engagement nicht durch ihren privaten Lebenswandel.

Fundraiser beauftragen Agenturen/Dienstleister, wenn auch sie sich über den beruflichen Aspekt hinaus für das Gemeinwohl einsetzen.

 

Quellenmaterial
Marylin Fischer: Ethical Decision Making n Fundraising. New York etc. 2000, S. 91ff.

 

Gute Zwecke als Vorwand für Profit

Probleme

  • Der gute Zweck dient als Vorwand für Geschäftemacherei.
  • Fundraiser entdecken Gründung einer NPO als Geschäftsidee, suchen sich einen attraktiven Zweck, gründen Vereine als Spendensammelfront und Auftraggeber für ihre Firmen. Die Vereine sind nicht gemeinnützig und entsprechend wenig kontrolliert. Die Spender verzichten auf Zuwendungsbestätigungen, weil sie scheinbar wertvolle Gegenleistungen erhalten (Tiersuchverzeichnis, Zeitschrift, Versicherungen, etc.). Nach außen hin treten die Vereine wie Gemeinnützige auf.
  • Hersteller vertreiben Produkte mittels Fundraising, indem sie Sponsoren suchen, die die Produkte kaufen, um sie an gemeinnützige Einrichtungen zu verschenken. Die Sponsoren werden im Namen der gemeinnützigen Einrichtung geworben. Der Einrichtung wird verschwiegen, dass die Sponsorenwerber in ihrem Namen auftreten.
  • Gemeinnützigen Einrichtungen werden Sachspenden übergeben, die nicht ins Konzept der Einrichtung passen, wohl aber in das des scheinbaren Wohltäters.

 

Entscheidungsfragen aus der Praxis

  • Fundraiser A. hat viele Jahre in Agenturen für NPOs gearbeitet und dabei gesehen, welche Zwecke gut ankommen. Bei einer Reise nach El Salvador entdeckt er ein von frommen Schwestern geführtes Waisenhaus, das noch Geld braucht. Er gründet einen Verein, lässt einen Freund zum Vorsitzenden wählen, macht sich selbstständig und lässt sich vom Verein mit den Agenturdienstleistungen beauftragen.
  • Agenturchef B. hat einen Strukturvertrieb für Versicherungen und Zeitschriften. Als neue Vertriebsschiene entdeckt er die Werbung von Fördermitgliedschaften für gute Zwecke. Er stellt fest, dass sich für Tier- und Kinderhilfe Förderer auf der Straße und an der Haustür werben lassen, und gründet Vereine, die ihm dabei als Front dienen. Die Vereine sind nicht gemeinnützig und entsprechend wenig kontrolliert. Die Spender verzichten auf Zuwendungsbestätigungen, weil sie scheinbar wertvolle Gegenleistungen erhalten, ein Tierregister für entlaufene Tiere, eine informative Zeitschrift, vergünstigte Zusatzversicherungen, Rabatte bei Einkäufen, etc. Nach außen hin treten die Vereine wie Gemeinnützige auf.
  • Hersteller vertreiben Teddybären, indem sie Sponsoren suchen, die die Produkte kaufen, damit sie über einen eigens gegründeten Verein an kranke Kinder verschenkt werden können. Kinderkrankenstationen bekommen massenweise Stofftiere und wissen kaum, wohin damit. Die Sponsoren werden im Namen dieser Krankenhäuser geworben, manchmal ohne deren Wissen und Zustimmung.
  • Agentur B. vertreibt so genannte Bonuspakete für Unternehmen, die Kunden binden wollen. Agenturchef X. hat auch ein Herz für ihre Kinder und gründet ein Kinderhilfswerk. Förderer erhalten als Anreiz und zur Fördererbindung eine Ausbildungsversicherung für Kinder und Enkel. Der für die Kinderhilfe verbleibende Betrag ist dabei gering.
  • Gemeinnützigen Einrichtungen werden gespendete Wohltaten als Geschenk aufgezwungen, die gar nicht ins Konzept passen, wohl aber in das des scheinbaren Wohltäters. Dazu gehören kostenlose Werbespots oder ganze Werbekampagnen, die sich hervorragend als Wettbewerbsbeiträge eignen, aber NPOs manchmal viel Kraft und letztlich doch Geld kosten.
  • Schauspieler ohne Beschäftigung werden als Honorarkräfte für den Einsatz als Clowns in Kliniken geschickt; die dafür benötigten Mittel werden von Spendern und Sponsoren aufgebracht. Kliniken freuen sich über das Angebot, merken dann aber, dass die Kinder sehr verhalten reagieren und die so genannten Clowns vor ihrem Einsatz keine pädagogische oder darstellerische Ausbildung bekommen haben. Die Clowns kosten nichts, sind aber lästig. Der Verein, der die Clowns engagiert, lässt sich in der Presse feiern und sammelt fleißig weiter.

 

Geltende Verhaltensregeln
Grundregeln für eine gute, ethische Fundraising-Praxis, insbesondere Regeln 2 Gesetz, 4 Berufsstand, 5 Integrität, 6 Transparenz, 8 Freie Entscheidung und 11 Verwendung; Gemeinnützigkeitsrecht; Abgabenordnung.


Wie Fundraiser sich verhalten sollten

Fundraiser halten die Gesetzlichen Rahmenbedingungen ein. Wirtschaftliche Erfolgsabsicht und persönliche Bereicherung widersprechen der Gemeinnützigkeit. Fundraiser legen Motive und Arbeitsweisen offen. Spendenanliegen werden wahrheitsgemäß formuliert. Fundraiser messen und prüfen ihr eigenes Verhalten über die gesetzlichen Regelungen hinaus an den ethischen Standards des DFRV. Eigensüchtiges Verhalten widerspricht dem Gemeinwohlanliegen. Fundraiser legen ethischen Standards des DFRV auch an die Arbeitsweise ihrer Organisation an. Oberster Zweck jeder gemeinnützigen Organisation ist der Dienst an anderen, nicht eigener Erfolg.

Fundraisingprojekte dienen dem Gemeinwohl und sind auf Effektivität und Effizienz angelegt.

 

Bestechlichkeit

Probleme

  • Fundraiser verlangen, dass sich Dienstleister erkenntlich zeigen, wenn sie einen Auftrag haben wollen oder bekommen haben: Fundraiser erwarten von einem Dienstleister für die Zusage eines großen Mailingauftrages die kostenlose Teilnahme an Fortbildungsveranstaltungen oder Studienreisen.
  • Fundraiser erhalten durch Dienstleister Geschenke oder Zusagen materieller Vorteile privater oder beruflicher Art bei Auftragsvergabe.
  • Fundraiser erhalten privat Geschenke oder materielle Vorteile für sich oder ihre Familienangehörigen durch persönlich langjährig vertraute Spender.
  • Spender verknüpfen ihre Spende mit der Gewährung von Vorteilen durch die NPO, etwa in Form von Berücksichtung bei Auftragsvergaben.

 

Entscheidungsfragen aus der Praxis

  • Ein älterer Großspender bietet dem Fundraiser einen Sparvertrag für dessen Kinder und die kostenlose Nutzung seines Ferienhauses an.
  • Ein Bauunternehmer verknüpft eine Spendenzusage mit dem Wunsch, mit der Errichtung einer neuen KITA beauftragt zu werden.
  • Fundraiser erwarten von einem Dienstleister für die Zusage eines großen Mailing-Auftrages die kostenlose Teilnahme an Fortbildungsveranstaltungen oder Studienreisen.
  • Eine Metzgerei, die einer großen sozialen Einrichtung Fleisch- und Wurstwaren in großem Umfang liefert, wird aufgefordert, einen Teil ihres Gewinns rückzuspenden.

 

Geltende Verhaltensregeln
Grundregeln für eine gute, ethische Fundraising-Praxis, insbesondere Regeln 5 Integrität, 16 Vorteilsnahme, 18 Wirksamkeit; Gemeinnützigkeitsrecht; Abgabenordnung; Antikorruptionsgesetze.
International Statement of Ethical Principles in Fundraising Absatz 1; International Non Governmental Organisations Accountability Charter.

Wie Fundraiser sich verhalten sollten
Fundraiser nehmen für sich oder ihre Familien keinerlei privaten Vorteile an. Der Wert entgegengenommener Geschenke bleibt analog zu anderen Berufen im Bereich unter 10 Euro. Erhaltene Geschenke können wiederum gespendet oder an eine Tombola weitergegeben werden.

Fundraiser vergeben Aufträge nach Kosten und Qualität des Angebots. Sie unterlassen Nebenabreden und können Auftragsvergaben jederzeit sachlich begründen. Die Annahme oder das Versprechen bzw. die Gewährung von Gegenleistungen für Aufträge ist unbedingt zu unterlassen und unethisch.

Nonprofit-Organisationen und Dienstleister müssen jeden Anschein von Korruption und Vorteilsnahme bzw. -angebot vermeiden. Geschenke mit einem hohen Wert können einen entsprechenden Verdacht schüren.

Fundraiser verknüpfen die wirtschaftliche Tätigkeit ihrer Organisation nicht mit der Akquise von Spenden. Alle Spendeneinnahmen beruhen auf Freiwilligkeit und nicht der Hoffung eines potentiellen Geschäftspartners auf Aufträge. Fundraiser zeigen potentielle Interessenskonflikte ihrem Arbeitsgeber an und vermeiden so jeden Anschein von Vorteilsnahme.

Quellenmaterial
Marylin Fischer: Ethical Decision Making in Fundraising. New York etc. 2000, S. 26–29.

 

Plagiierung von Fundraisingideen

Probleme

  • In spendenträchtigen Bereichen gründen sich Parallelvereine zu bekannten Organisationen, manchmal mit Namen und Symbolen, die denen bekannter NPOs ähneln.
  • Es entstehen Unterstützervereine für gemeinnützige Vereine oder Einrichtungen, die diesen Konkurrenz machen und schwer kontrollierbar sind; manchmal verfolgen sie ihre eigene Agenda und Personalpolitik, weil sie sich im unterstützten Verein nicht durchsetzen konnten.

 
Entscheidungsfragen aus der Praxis

Bekanntestes Beispiel für Plagiierung sind viele Kinder- und Tierhilfevereine, manche sicherlich unbeabsichtigt. Angelehnt an den Deutschen Kinderschutzbund, die Kindernothilfe und an den Deutschen Tierschutzbund gibt es in der Kombination mit Kindern, Tieren, Bund, Deutsch, Hilfswerk, Hilfe, Verein zahlreiche Kombinationen, die gewollt oder ungewollt Verwechselungsgefahren heraufbeschwören. Auch die Kombination Rotes Kreuz wird häufig mit anderen Farben versehen, die Aktion Mensch oder Menschen für Menschen werden mit ähnlichen Hilfsobjekten verknüpft. Die Begriffe an sich sind schwer zu schützen, und auch die Kombinationen nur selten. Deutlicher wird das Plagiat, wenn die Begriffe mit Symbolen und Logos verknüpft werden, die denen bekannter Organisationen ähneln. Besonders häufig sind Plagiate auf Werbezetteln für Altkleidersammlungen zu finden, weil es sich hier um örtlich begrenzte Aktionen handelt, die oft schon vorbei sind, bevor die geschädigte Organisation eingreifen kann, und für deren Verfolgung sich größerer Aufwand nicht lohnt.

Geltende Verhaltensregeln
Grundregeln für eine gute, ethische Fundraising-Praxis, insbesondere Regeln 2 Gesetz, 5 Intergrität, 7 Fairness; Urheberrecht; Gesetz über unlauteren Wettbewerb.
International Statement of Ethical Principles in Fundraising, Absatz 3.

Wie Fundraiser sich verhalten sollten
Fundraiser arbeiten das Alleinstellungsmerkmal ihrer Organisation heraus. Sie kooperieren mit verwandten Organisationen ohne sie zu kopieren oder zu benachteiligen.

Quellenmaterial
Urheberrecht; Gesetz über unlauteren Wettbewerb

 

Rechenschaft und Transparenz

Probleme

  • Wenig Aussagekraft von Rechenschaftsberichten der NPOs im Finanzbereich, nur Erfolgsmeldungen, keine Problemdarstellung, Fehlen einheitlicher Definitionen vergleichbarer Finanztatbestände (Einnahme aus Spenden, Trennung von Werbung und Öffentlichkeitsarbeit, Verwaltungskosten etc.), Zugänglichkeit der Finanzberichte von NPOs für die interessierte Öffentlichkeit, Verlagerung von Kosten und Erträgen auf nachgeordneten Verbandsebenen oder auf Sub-Unternehmen.
  • Nur Erfolgsmeldungen, keine Problemdarstellung,
  • Ausnutzung des Fehlens einheitlicher Definitionen vergleichbarer Finanztatbestände (Einnahme aus Spenden, Trennung von Werbung und Öffentlichkeitsarbeit, Verwaltungskosten etc.) zur Verschleierung von Misswirtschaft, Fehlverwendung und Verschwendung.
  • Erschwerte Zugänglichkeit der Finanzberichte von NPOs für die interessierte Öffentlichkeit,
  • Verlagerung von Kosten und Erträgen auf nachgeordneten Verbandsebenen oder auf Subunternehmern.


Entscheidungsfragen aus der Praxis

  • Die NPO verbucht einen Großteil ihrer Kosten für Werbung und Kommunikation als Projektausgaben, weil sie der „Bewusstseinsbildung“ der Öffentlichkeit dienen. In der Öffentlichkeit glänzt sie durch einen scheinbar niedrigen Verwaltungs- und Werbungskostenanteil.
  • Die NPO gibt zwar einen Jahresbericht heraus, macht ihn aber der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Die Presse bekommt lediglich eine Übersicht in Form einer Pressemitteilung, die auch in der Mitgliederzeitschrift abgedruckt wird.
  • Die NPO gibt keinen Jahresbericht heraus, sondern bietet allen Interessenten direkten Einblick in ihre Bücher an. Die Interessenten sollen während der Dienststunden zum Sitz der NPO kommen. Wer Interesse zeigt, wird hingehalten mit Hinweis auf Arbeitsüberlastung bzw. Anwesenheit der zuständigen Mitarbeiter.
  • Die NPO verweist darauf, dass ihr Jahresbericht von einem vereidigten Wirtschaftsprüfer erstellt wird, sagt aber nicht, dass das noch keiner unabhängigen Rechnungsprüfung entspricht.
  • Die NPO zeigt sich fast „übertransparent“, veröffentlicht kritische Anfragen von Journalisten und ihre Antwort darauf im Internet, löscht sie aber dann rasch wieder, manchmal sehr selektiv.


Geltende Verhaltensregeln

Grundregeln für eine gute, ethische Fundraising-Praxis, insbesondere Regeln 2  Gesetz, 5 Integrität, 6 Transparenz, 12 Verwendung; Gemeinnützigkeitsrecht; Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung GOB.
International Statement of Ethical Principles in Fundraising; Selbstverpflichtung zum Spenden-Siegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen, besonders Bestimmungen 1, 2, 8 und 10; Selbstverpflichtung der Mitgliedsorganisationen des Deutschen Spendenrates e.V., insbesondere 6; VENRO-Transparenzinitiative der Entwicklungszusammenarbeit – Ein Neun-Punkte-Plan des Verbands Entwicklungspolitik Deutscher Nichtregierungsorganisationen e.V.; International Non Governmental Organisations Accountability Charter.

Wie Fundraiser sich verhalten sollten
Fundraiser entwickeln ein kurzes, einheitliches Raster für den Jahresbericht ihrer Organisation und sorgen für eine verständliche Darstellung. Der Jahresbericht wird im Internet veröffentlicht und Spendern kostenlos zugesandt. Bestimmte Spendergruppen erhalten ihn unaufgefordert. Die veröffentlichten Daten des Jahresberichts entsprechen der Wahrheit. Prüfberichte und Testate werden veröffentlicht. Fundraising- und Verwaltungskosten werden beziffert und nicht in anderen Kostenträgern versteckt.

Quellenmaterial
Horand Knaup: Hilfe, die Helfer kommen. Karitative Organisationen im Wettbewerb um Spenden und Katastrophen. München 1996, S. 157ff.; Gerhard Müller-Werthmann: Markt der offenen Herzen: Spenden – ein kritischer Ratgeber, Hamburg: 1985, S. 13–140; Trägerverein des Deutschen Spendenrates e.V.: Ethik im Spendenwesen – ein Antagonismus. Bietigheim-Bissingen 1995, S. 109ff.; Rainer Borgmann-Quade (Hrsg.): Stichwort Spendenwesen. Ein Handbuch für Spender, Organisationen, Behörden und Medien. Berlin 1982.

 

Familiäre Verflechtungen

Probleme
Der gemeinnützige Verein besteht weitgehend aus Mitgliedern einer Familie, deren Verwandten und Freunden. Eine unabhängige Kontrolle der Geschäftsgebaren wird unterbunden; alles bleibt im Familienkreis.

Entscheidungsfragen aus der Praxis
Immer wieder werden gemeinnützige Vereine und Initiativen von Familien gegründet. Manchmal befinden sich mehrere Familienangehörige zugleich im Vorstand. Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden, wenn sich die Zuwendungen an den Verein auf die Familie beschränken. Allerdings wächst die Versuchung, aus der ideellen Zweckerfüllung einen bezahlten Beruf zu machen oder zumindest die Aufwandsentschädigungen so anzusetzen, dass die Familie davon leben kann. Dann ist der Schritt nicht mehr weit, Partnern, Kindern und Verwandten bezahlte Posten zu geben und das Akquisevolumen entsprechend zu erhöhen. Zu den Versuchungen solcher Familienvereine gehört auch die Gründung von gewerblichen Betrieben, die Aufträge des Vereins entgegennehmen. Der Familienverein wird zum Selbstbedienungsladen. Um den Anschein des Nepotismus zu vermeiden, werden manchmal Strohmänner in Vorstandspositionen gewählt. Das Sagen hat weiterhin die Sippschaft.

Geltende Verhaltensregeln
Grundregeln für eine gute, ethische Fundraising-Praxis, insbesondere Regeln 2 Gesetz, 5 Integrität, 6 Transparenz.
International Statement of Ethical Principles in Fundraising.

Wie Fundraiser sich verhalten sollten
Gemeinnützige Organisationen streben Wachstum und Öffentlichkeit an. Sie legen sich und ihre Arbeit jedem offen. Es sollte jeder Anschein vermieden werden, dass der gute Zweck nur vorgeschoben ist und in Wirklichkeit Verwandte und Freunde sich eine lukrative Einnahmequelle verschaffen wollen. Wenn Fundraiser entdecken, dass sie für ein solches Familienunternehmen instrumentalisiert werden, sollten sie sich zurückziehen und bei Verdacht unlauterer Machenschaften Anzeige erstatten.

Darstellung von Spendenanliegen

 

Probleme

  •     Aufbau von psychologischem Druck in Worten, mit Bildern, Beigaben (Giveaways)
  •     Übertriebene Darstellungen von Hilfsmöglichkeiten
  •     Darstellung von Hilfsprojekten, obgleich die NPO dort nicht tätig ist
  •     Entwürdigung und Schädigung der Hilfesuchenden
  •     Verunglimpfung von Mitbewerbern
  •     Falsche Darstellung der Mittelverwendung

 

Entscheidungsfragen aus der Praxis

  • NPO A behauptet, dass bereits 500 Tote einer Hochwasserkatastrophe zum Opfer gefallen sind und tausende verletzter Opfer dringend Hilfe benötigen. Die NPO bittet dringend um Spenden, um helfen zu können. In Wirklichkeit geht die NPO nicht in dieses Gebiet, sondern hängt sich nur auf den „Medienrummel“ auf, um Spenden für andere Projekte zu erhalten.
  • NPO B berichtet, dass sie die erste Organisation vor Ort ist und bereits umfangreiche Hilfsmaßnahmen für die Hochwasserkatastrophe eingeleitet hat. Um tausenden Verletzten helfen zu können, benötigt sie dringend Spendengelder. In Wirklichkeit hat die NPO nur einen einzigen Entwicklungshelfer im Land ohne Kompetenz in Soforthilfemaßnahmen, und der kann hunderte Kilometer entfernt vom Katastrophengebiet auch keine umfangreichen Hilfsmaßnahmen einleiten.
  • NPO C berichtet, dass sie die besseren und umfangreicheren Hilfsmaßnahmen im Erdbebengebiet Pakistans durchführt und die NPOs D und E vollkommen überfordert sind. In Wirklichkeit läuft ein abgestimmtes Hilfsprogramm der NPOs vor Ort.
  • NPO D wirbt um Spendengelder, damit sie im gesamten Land X ein Impfprogramm durchführen und so eine länderübergreifende Epidemie vermeiden kann. In Wirklichkeit bedient sie drei Dörfer mit Impfstoff.
  • NPO E benutzt zum Einwerben von Spendengeldern schockierende Bilder von Menschen kurz vor dem Hungertod in entwürdigenden Situationen.
  • NPO F setzt Telefonmarketing ein. Am Telefon behaupten die Telefonberater, der Spendenertrag komme vollständig den guten Zwecken zugute.

 

Geltende Verhaltensregeln
Grundregeln für eine gute, ethische Fundraising-Praxis, insbesondere Regeln 5, 6;

International Statement of Ethical Principles in Fundraising, insbesondere Ziffern 3. und 6; VENRO-Kodex „Entwicklungsbezogene Öffentlichkeitsarbeit“ des Verbands Entwicklungspolitik Deutscher Nichtregierungsorganisationen e.V. insbesondere II.2. und 9; VENRO-Transparenzinitiative der Entwicklungszusammenarbeit – Ein Neun-Punkte-Plan des Verbands Entwicklungspolitik Deutscher Nichtregierungsorganisationen e.V.

Wie Fundraiser sich verhalten sollten

  • Fundraiser üben keinen psychologischen Druck auf die Menschen zum Spenden aus.
  • Fundraiser werben nicht mit öffentlichkeitswirksamen Projekten von vornherein in der Absicht, sie ähnlichen, weniger spektakulären Projekten zuzuführen, ohne darauf hinzuweisen.
  • Fundraiser stellen keine Hilfsmaßnahmen vor, die eine NPO nicht unterstützt oder durchführt.
  • Fundraiser unterlassen die Verunglimpfung von anderen NPOs oder Mitbewerbern.
  • Fundraiser betreiben keine Mittelbeschaffung mit übertriebenen Geschenken oder Vergünstigungen.
  • Fundraiser aus Agenturen lehnen ungesetzliche Maßnahmen, die NPOs ausgeführt haben möchten, ab.
  • Die Fundraiser in NPOs identifizieren sich mit der Vision, Mission und den daraus abgeleiteten Zielen ihrer NPO. Fundraiser aus Agenturen erfragen die Vision, Mission und Ziele der zu beratenden NPO. Sie recherchieren sorgfältig die Hilfsprojekte und hinterfragen die Nachhaltigkeit der Projekte durch eine enge Vernetzung mit den zuständigen Mitarbeiter. Aus diesem Kenntnisstand entwickeln sie einen strategischen Marketingplan und leiten Fundraising-Maßnahmen ab. Hierbei ist stets das Kosten-/Nutzenverhalten zwischen Mitteleinsatz und Ertragsergebnis zu berücksichtigen.
  • Fundraiser stellen die Möglichkeiten der Hilfeleistungen realistisch dar.
  • Fundraiser verzichten auf eine „sensationsträchtige“ und menschenentwürdigende Bildwelt. Sie wählen grundsätzlich nur Bilder zur Dokumention der NPO-Arbeit aus dem eigenen Bildarchiv oder öffentlich zugänglichen Bilddateien mit abgeklärten Bildrechten aus. Bei der Bildauswahl achten Fundraiser stets darauf, dass keine Entwürdigung oder Schädigung abgebildeter Person/en eintritt. Generell bevorzugen Fundraiser den Einsatz einer positiven Bildwelt und verzichten in der Regel auf abschreckende Bilder.
  • Fundraiser achten darauf, dass die eingeworbenen Geld- und Sachspenden den dargestellten Spendenanliegen zugeführt werden.

Der Hinweis, dass Spenden hundertprozentig dem guten Zweck zugutekommen, ist zu vermeiden, wenn der NPO Ausgaben für Werbeaufwand und Verwaltung entstehen. Dabei ist es unmaßgeblich, wo diese Kosten verbucht werden. Nur wenn die Kosten von einem Sponsor oder Spender getragen werden, der sonst nichts gespendet oder gesponsert hätte – etwa einem Hotel, das die beim Benefizbüffet verzehrten Speisen spendet, andernfalls aber nicht gespendet hätte – kann von vermindertem Aufwand gesprochen werden. Andernfalls geht wie fast immer nur ein Teil der tatsächlichen Einnahmen an den guten Zweck, und dies sollte auch in der Werbung deutlich werden, etwa durch die Formulierung „Überschüsse fließen dem guten Zweck zu“.

Quellenmaterial
Gerhard M. Zack: Fraud and Abuse in Nonprofit Organizations, Hoboken, N.J. 2003, S. 162 ff.; Horand Knaup: Hilfe, die Helfer kommen. Karitative Organisationen im Wettbewerb um Spenden und Katastrophen. München 1996, S. 113ff; DZI Spenden-Siegel. Leitlinien und Ausführungsbestimmungen – Selbstverpflichtung zum Spenden-Siegel, besonders Bestimmung 7; VENRO-Kodex „Entwicklungsbezogene Öffentlichkeitsarbeit“ des Verbands Entwicklungspolitik Deutscher Nichtregierungsorganisationen e.V., insbesondere I.3; Selbstverpflichtung der Mitgliedsorganisationen des Deutschen Spendenrates e.V., insbesondere Verpflichtung 2.

Fundraising für öffentliche Bildungseinrichtungen

Probleme

  •  Allzu enge Bindung an Produzenten von Artikeln für den Kinder- und Jugendmarkt,
  •  Anschaffungen ohne Finanzierung der Folgekosten,
  •  Ablenkung der Pädagogen von ihren eigentlichen Aufgaben zur Erfüllung von Sponsorenauflagen.

 

Entscheidungsfragen aus der Praxis

  • Schule X hat einen Lebensmittelkonzern als Sponsor gewonnen, der Frühstücksmüsli für Kinder anbietet. Das Unternehmen macht zur Bedingung, dass in der Cafeteria der Schule ausschließlich Frühstücks-Müsli der Firma serviert werden und dass die Firma mit ihrer Sponsorenschaft für die Schule uneingeschränkt werben darf.
  • Die Evangelische Mädchenschule in X-Stadt will sich auch für Mädchen ohne evangelischen Taufschein öffnen. Da interveniert der langjährige Mäzen Z, der der Schule alljährlich so hohe Spendenbeträge zukommen lässt, dass die Mittel als gesicherte Einnahmen in den Schulhaushalt eingestellt werden und zwei Lehrkräfte finanzieren. Die Schule riskiere, ihren Glaubenschwerpunkt zu verlieren, kritisiert er. Wenn Schülerinnen, die nicht evangelisch getauft sind, zugelassen würden, werde er seine Förderung einstellen.
  • Die Versetzung von Thomas K ist gefährdet. Vater K. gehört zu den großzügigen Förderern der Schule. Daran erinnert er den Klassenlehrer dezent aber deutlich beim Elternsprechtag.
  • Der Förderverein des Gymnasiums A hat so viele Sponsoren und Großspender gewonnen, dass die Schule damit eigene Aushilfslehrkräfte einstellen und Schulreparaturen, die eigentlich vom Schulträger finanziert werden müssten, vorzeitig ausführen lassen kann. Mit eigenen Mitteln finanziert der Verein sogar den Neubau einer Sporthalle. Allerdings reichen die Mittel nicht aus für deren dauerhafte Unterhaltung, und der Schulträger weigert sich, dafür aufzukommen. Dem Verein geht ein Großsponsor verloren, auf dessen Zuwendungen er fest gebaut hat. Dadurch müssen Lehrkräfte wieder entlassen und Projekte eingestellt werden.
  • Unternehmer F verlangt und erhält von der Schule S das Versprechen, für einen einmaligen allgemeinen Zuschuss an die Schule in Höhe von 2.500 Euro öffentlich als Hauptsponsor der Schule werben zu dürfen, sein Logo fünf Jahre lang auf den Briefbögen der Schule platziert zu bekommen und ein entsprechendes Schild in das Schulfoyer hängen zu dürfen.

 

Geltende Verhaltensregeln
Sponsoring-Erlasse der Landesregierungen, Grundregeln für eine gute, ethische Fundraising-Praxis, insbesondere Regel 11, International Statement of Ethical Principles in Fundraising, FASPO-Leitlinie für vorbildliches Schulsponsoring.

Wie Fundraiser sich verhalten sollten
Fundraiser sollten dafür sorgen, dass keine Abhängigkeiten von Mittelgebern geschaffen werden und keine Risiken für die Fortführung von begonnenen Projekten durch ungesicherte Finanzierung entstehen. Exklusivbindungen sind zu vermeiden. Der Fundraiser sorgt für einen gesunden Finanzierungsmix aus Spenden, Sponsoring, Merchandising und öffentlichen Zuschussmitteln. Wenn dann eine der Säulen wegbricht, geht das Projekt insgesamt nicht unter, allenfalls gibt es Verzögerungen.

Es dürfen keine Vereinbarungen getroffen werden, die inhaltliche Einflussnahme des Sponsors auf Lehr- und Lerninhalte ermöglichen.

Die Leistung von Sponsoren und die Gegenleistung der Bildungseinrichtung müssen in einem gesunden Verhältnis stehen. Sponsoren, die unangemessen hohe Gegenleistungen verlangen, sind zurückzuweisen. Unethisch a priori kann es dagegen nicht sein, dass sponsorwillige Unternehmen von Schulen eine längere Laufzeit von Sponsoringvereinbarungen verlangen als nur ein Jahr, wie dies von der Politik und der öffentlichen Verwaltung meist noch gefordert wird. Wenn ein Unternehmen eine PR-wirksame Sponsoringpartnerschaft mit einer guten Schule eingeht, will sie damit PR betreiben oder gar werben – möglichst ohne Produktwerbung! Bis dieser PR- oder Werbeeffekt greift, muss erst einmal in ihn investiert werden, was Zeit und Geld kostet. Mithin darf gegen Verträge mit zwei- oder dreijähriger Laufzeit, wenn sie ansonsten ordentlich abgefasst sind, vor allem Leistung und Gegenleistung gut austariert haben, nichts einzuwenden sein.
Der Fundraiser sollte Eltern darauf hinweisen, dass die Notengebung der Schule nicht von deren Förderung abhängig sein wird.
Ebenso wenig darf es Finanzministern oder Stadtkämmerern gestattet werden, auch nur darüber nachzudenken, im Fundraising besonders erfolgreichen Schulen staatliche Zuwendungen zu kürzen, um damit die Etats von Schulen aufzupolstern, die im Fundraising nicht erfolgreich waren. Das ist nicht nur rechts-, sondern sogar verfassungswidrig, von der Tatsache ganz abgesehen, dass die im Fundraising erfolglosen Schulen sich in aller Regel einfach nicht bewegen, sondern sich darauf beschränken, zu jammern über ihre mangelnden Chancen, die sie nie ausgelotet haben, und über die “Unsittlichkeit” von Fundraising an sich.

Quellenmaterial

Jens Uwe Böttcher: Geld liegt auf der Straße. Fundraising und Sponsoring für Schulen. 2. vollständig überarbeitete Auflage, Köln 2009.

Fundraising als Herausforderung und Chance für Schulen und ihre Kooperationspartner. Berlin 2008.

Rudolf Kaiser: Drittmittel, Sponsoring und Fundraising – rechtskonforme Finanzierung öffentlicher Aufgaben oder Einstieg in die Korruption?: Ein Vergleich der rechtlichen Situation in der Schweiz und in Deutschland unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Systeme der Hochschulfinanzierung, Zürich, Basel und Genf 2008.

Martina Peters: Geld für Ihre Schule: durch PR, Fundraising und Sponsoring, Mülheim an der Ruhr 2008.

 

Durchführung von Altkleidersammlungen

Probleme

  •     Verschleierung des gewerblichen Zwecks
  •     Verschleierung der Verwendung der gespendeten Kleider

 

Entscheidungsfragen aus der Praxis

  • „Alten- und Behindertenhilfe“ steht groß auf dem Zettel, der in Briefkästen liegt und in dem darum gebeten wird, an einem bestimmten Tag Altkleider und Schuhe für einen angeblich guten Zweck auf den Gehsteig zu legen. In Wirklichkeit handelt es sich um eine rein gewerbliche Sammlung. Die sammelnde Firma verkauft die gesammelten Kleidungsstücke an darauf spezialisierte Großhändler. Die Firma spendet zwei Vereinen am Firmensitz A-Stadt, die sich für Betagte und Behinderte einsetzen, je 100 Euro.
  • Eine gemeinnützige NPO sammelt Altkleider, überträgt diese Aufgabe aber gewerblichen Unternehmen, ohne bei ihrer Werbung darauf hinzuweisen. Von den Erlösen aus dem Verkauf der Kleider bleibt nur ein geringer Anteil für die gemeinnützige Arbeit übrig.
  • Eine gemeinnützige Organisation sammelt Altkleider, damit die armen Kinder in einem abgelegenen Teil der Mongolei im Winter nicht frieren müssen. Viele Familien spenden gebrauchte Kinderkleidung in der Meinung, sie käme wirklich bei den Notleidenden an. In Wirklichkeit werden die Altkleider an professionelle Verwerter verkauft. Nur der Erlös geht an die Armen in der Mongolei.
  • Spender geben teure Erbstücke in die Altkleidersammlung, weil sie im Glauben gelassen werden, dass diese direkt bedürftigen Menschen in Russland übergeben werden. In Wirklichkeit landen die Kleider zum größten Teil im Reißwolf oder auf kommerziellen Second-Hand-Märkten.

 

Geltende Verhaltensregeln
Grundregeln für eine gute, ethische Fundraising-Praxis, insbesondere Regeln 5 und 11.International Statement of Ethical Principles in Fundraising.

Wie Fundraiser sich verhalten sollten
In der Werbung für Altkleidersammlungen muss klar zum Ausdruck kommen, unter welchen Umständen was, für wen, von wem und wie gesammelt wird.

Quellenmaterial
Gerhard Müller-Werthmann: Die Geschäfte des Roten Kreuzes: Konzern der Menschlichkeit, Rastatt 1986, S. 58–64; Gerhard Müller-Werthmann: Markt der offenen Herzen: Spenden – ein kritischer Ratgeber, Hamburg: 1985, S. 118–120; DZI Spendentipps Altkleidersammlungen.

 

Berufsehre Fördererwerbung an der Haustür und an Dialogständen

Probleme:

  • Potentielle Spender und Förderer werden unter Druck gesetzt.
  • Die Dialoger treten unter falschem Anschein auf. Sie behaupten ehrenamtlich zu arbeiten, obwohl sie bezahlt werden.
  • Ein Teil der Spenden fließt in Provisionen, ohne dass der Spender auch auf Nachfrage dies erfährt.
  • Die Dialoger verschweigen auch auf Nachfrage ihren eigentlichen Beschäftigungsträger.
  • Die Dialoger bedrängen potenzielle Spender in ihren Wohnungen oder am Dialogstand.
  • Die Dialoger erscheinen in der Uniform bekannter NPOs und behaupten, ehrenamtlich tätig zu sein.
  • Die Bestätigung von an der Haustür oder auf der Straße eingegangenen Verpflichtungen erfolgt erst, wenn die Widerspruchsfrist längst abgelaufen ist.
  • Widerrufe werden nicht berücksichtigt.
  • Die Bezahlung der Dialoger erfolgt ausschließlich durch Prämien.
  • Die auftraggebende NPO kennt die Vergütungspraxis beauftragter Agenturen gegenüber  den Dialogern nicht.
  • Sammlungen werden ohne behördliche Erlaubnis durchgeführt.
  • Es werden mehrjährige Verpflichtungserklärungen verwendet. „Ausstehende Spenden“ werden per Gerichtsvollzieher eingetrieben.
  • Die Entscheider der Agentur und der NPO sind z.B. verwandtschaftlich verbunden. Die NPO  ist in Wirklichkeit eine Schein-NPO.
  • Die Agentur und/oder die NPO haben keinen Datenschutzbeauftragten.
  • Es fehlt auf den Formularen ein gesetzeskonformer Datenschutzsatz oder er ist nicht deutlich sichtbar.
  • Es fehlt auf den Formularen ein Satz über die bezahlte Tätigkeit der Dialoger.
  • Die finanziellen Zielvorgaben für die Dialoger sind unerfüllbar. So wird der Druck aufgebaut.
  • Die Agentur finanziert für mehrere Jahre das Fundraisingprogramm im voraus. Es entsteht u.U. eine Abhängigkeit der NPO, da sie zwischenzeitlich nicht mehr aussteigen kann. Die NPO verliert faktisch die Oberhoheit über die von den Dialogern vertretenen Inhalte.
  • Die Agentur liefert ein Full-Service und die NPO saldiert die Erträge.

 

Geltende Verhaltensregeln:

Grundregeln des Deutschen Fundraisingverbandes für eine gute, ethische Fundraising-Praxis, insbesondere Regeln 5 und 14;
International Statement of Ethical Principles in Fundraising;
DZI Spenden-Siegel. Leitlinien und Ausführungsbestimmungen.

Wie Fundraiser sich verhalten sollten:

  • Auf potentielle Förderer darf kein Druck ausgeübt werden. Spenden bleibt eine freiwillige Angelegenheit.
  • Die NPO muss kontrollieren, ob behördliche Genehmigungen für die Sammlungen vorliegen.
  • Die NPO sollte die Verträge der einzelnen Dialoger kennen.
  • Die NPO sollte „in der Schublade“ ein Positionspapier zu ihrer Fundraisingpraxis haben, um im Falle einer nötigen Krisenkommunikation gewappnet zu sein.
  • Wenn eine Agentur mit der Durchführung von Fördererwerbung beauftragt wird, sollte die NPO die Vergütungspraxis der Agentur im Detail kennen.
  • Ist die Entscheidung für eine Förderung gefallen, sollten die Spender auch über die gesetzlich vorgeschriebene Zeit hinaus die Möglichkeit haben, von der Förderung zurückzutreten.
  • Auf den Formularen muss ein Satz über die bezahlte Tätigkeit der Dialoger stehen.
  • Die Vergütung der Dialoger muss eine feste Grundvergütung von mindestens 50% haben. Die feste Grundvergütung darf nur in Ausnahmefällen weniger als 50 Prozent betragen und dies auch nur dann, wenn durch interne Kontroll- und Schulungssysteme sichergestellt ist, dass unzulässiger Druck weder auf mögliche Förderer noch auf die Dialoger ausgeübt wird.
  • Die NPO sollte täglich wissen, wo welche Dialoger im Einsatz sind. Die NPO sollte auf diesbezügliche telefonische Nachfragen antworten können.
  • Die NPO sollte jederzeit in der Lage sein, Beschwerden präzise zu beantworten und die dahinter liegende Vorgänge schnell zu recherchieren.
  • Die NPO sollte ein Kontrollsystem entwickeln, um festzustellen, welche Inhalte vor Ort vertreten werden.
  • Die NPO bleibt letztlich immer für die Schulung der Dialoger verantwortlich.

 

Quellenmaterial

Mike Redhorn: Drücker in Uniform. Berlin 1999;
Gerhard Müller-Werthmann: Die Geschäfte des Roten Kreuzes: Konzern der Menschlichkeit, Rastatt 1986, S. 41–49.
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Fundraising für politische Zwecke

Probleme

  •  Einflussspenden: Mit der Spende wird Einfluss auf politische Entscheidungen genommen.
  •  Dankspenden: Die Spende wird, da sie nicht als Einflussspende erscheinen soll, nach Gewährung einer Vergünstigung aus “Dankbarkeit” gegeben. Dabei kann sie vorher bereits in Aussicht gestellt worden sein oder in Erwartung weiterer Gunst hinterher gewährt wird.
  •  Umwegspenden: Parteien werden auf Umwegen über nahestehende Einrichtungen oder parteieigene Firmen begünstigt.

 

Entscheidungsfragen aus der Praxis

  •  Bauunternehmer X fördert Partei Z nach Kräften finanziell. Als es um die Auftragsvergabe für ein neues Rathaus geht, fragt er beim Vorsitzenden der Ratsfraktion der Z-Partei an, wie viel er spenden sollte, um den Auftrag zu bekommen.
  •  Der Auftrag für das neue Rathaus ist an Bauunternehmer Y gegangen. Wesentlich dazu beigetragen hat ein Mehrheitsbeschluss des Stadtrats, den die Z-Partei nach Kräften unterstützt hat. Schatzmeister P. der Z-Partei erinnert Y an die Unterstützung bei der Auftragsvergabe und bittet um eine Spende.
  •  Um Bürgermeister A der Z-Partei hat sich ein Unterstützerkreis für dessen Wiederwahl von A zum Bürgermeister gebildet. Der Unterstützerkreis nimmt Spenden für A entgegen von Personen und Firmen, die nicht über die Partei Z für A spenden wollen, ist aber nicht gemeinnützig oder als Partei oder Wählergruppe anerkannt und kann deshalb keine steuerlich abzugsfähigen Zuwendungsbestätigungen ausstellen.
  •  Der Unterstützerkreis schreibt an Firmen und Privatpersonen Rechnungen für angeblich erbrachte Leistungen. Dabei handelt es sich um Beratung und Öffentlichkeitsarbeit in Form von Inseraten und Presseberichten. Die Leistungen stehen jedoch nur auf dem Papier; die Rechnungen dienen der steuerlichen Absetzbarkeit von Zuwendungen an den nicht gemeinnützigen und nicht als Partei oder Wählergruppe anerkannten Unterstützerkreis.

 

Geltende Verhaltensregeln
Parteiengesetz; Grundregeln für eine gute, ethische Fundraising-Praxis, insbesondere Regel 5.

Wie Fundraiser sich verhalten sollten
Einflussspenden werden nicht entgegengenommen, Dankspenden nicht in Verbindung zu deutlich gewährten Vorteilen eingeworben.
Umwegspenden sind zulässig, wenn dem Spender klar ist, wie seine Spende steuerlich gehandhabt wird. Der Unterstützerkreis muss die eingeworbenen Spenden beim Finanzamt als steuerpflichtige Einnahmen anzeigen.
Scheinrechnungen für nicht erbrachte Leistungen werden nicht geschrieben.

 

 

Kinderpatenschaften

Probleme

  •  Instrumentalisierung von Kindern für Spendenzwecke.
  •  Katalogartiges Angebot von Kindern.
  •  Privilegierung von ausgewählten Kindern gegenüber ähnliche Bedürftigen.
  •  Mitleidorientierte Kinderdarstellung.

 

Entscheidungsfragen aus der Praxis

  •  NPO X veröffentlicht im Internet und in Druckschriften Kataloge mit Kindern, die Paten suchen, geordnet nach Land. Alter, Geschlecht.
  •  Kinder werden potentiellen Paten in mitleidheischender Pose angeboten.
  •  Kinder mit zahlenden Paten sind gegenüber gleichaltrigen Notleidenden privilegiert. Das kann zu Spannungen im Dorf führen.

 

Geltende Verhaltensregeln
Grundregeln für eine gute, ethische Fundraising-Praxis, insbesondere Regel 1;
International Statement of Ethical Principles in Fundraising.

Wie Fundraiser sich verhalten sollten
Das Kindeswohl steht immer im Vordergrund. Die Auswahlmöglichkeit der Kinder sollte sich in Grenzen halten. Keinesfalls dürfen sie durch Abbildungen, in denen sie sich möglichen Paten prostituieren, entwürdigt werden. Von jedem geförderten Kind sollte dessen Familie und die Umgebung mit profitieren. Die Unterstützung des einzelnen Kindes hat mehr Symbolcharakter.

 

Quellenmaterial
Die öffentliche Darstellung von Kinderpatenschaften – Eine kritische Bestandsaufnahme aus entwicklungspädagogischer Sicht, Gutachten von Prof. Dr. Annette Scheunpflug, Lehrstuhl Pädagogik der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Juni 2005; Deutsches Zentralinstitut für soziale Fragen (Hrsg.): Ethik im Fundraising. Kinderpatenschaften, Selbstverpflichtungen und weitere Spannungsfelder, Berlin 2007; Gerhard Müller-Werthmann: Markt der offenen Herzen: Spenden – ein kritischer Ratgeber, Hamburg: 1985, S. 94–114.

Durchführung von Haus- und Straßensammlungen

Probleme

  •     Fehlende Regelungen in einzelnen Bundesländern,
  •     Missbrauch durch Sammler,
  •     Willkür der Genehmigungsbürokratie.

 

Entscheidungsfragen aus der Praxis

  • Dubiose Vereine machen sich das Fehlen von Sammlungsgesetzen in bestimmten Bundesländern und/oder die Unkenntnis lokaler Behörden zu Eigen und sammeln für notleidende Tiere oder Kinder.
  • Einzelne Sammler ziehen von Haus zu Haus und legen angebliche Sammelerlaubnisse der Behörden und gefälschte Sammelausweise vor.
  • Örtliche Behörden errichten mangels einheitlicher Regelungen für die örtliche Sammelerlaubnis so hohe Hürden, dass NPOs kaum noch Sammler finden, die bereit sind, sich dafür auf die Straße zu stellen oder von Haus zu Haus zu gehen.

 

Geltende Verhaltensregeln
Sammlungsgesetze; Grundregeln für eine gute, ethische Fundraising-Praxis, insbesondere Regeln 2 und 5. International Statement of Ethical Principles in Fundraising.

Wie Fundraiser sich verhalten sollten

  • Haus- und Straßensammlungen werden rechtzeitig und formgerecht angemeldet, in der Presse und durch Hauswurfsendungen angekündigt. Dabei wird darauf hingewiesen, dass sich die Sammler ausweisen und wo notfalls nachgefragt werden kann, ob es sich um seriöse Sammler handelt. Am besten schließt sich die NPO mit ihrer Sammlung nationalen oder landesweiten Sammelwochen an oder nutzt bestimmte Gedenktage, an denen die Anliegen, für die gesammelt wird, besondere Aufmerksamkeit finden.
  • Fundraiser dringen darauf, dass die politischen Gremien in den Bereichen, in denen Sammeltätigkeit ausgeübt wird, Regelungen und Kontrollen für Sammlungen schaffen.

Quellenmaterial
Gerhard Müller-Werthmann: Markt der offenen Herzen: Spenden – ein kritischer Ratgeber, Hamburg: 1985, S. 115ff.

 

Mittelwerbung durch Sponsoring

Probleme

  •  Abhängigkeit der NPO von Sponsoren,
  •  Eine Nonprofit-Organisation ändert ihre inhaltliche Ausrichtung, ihre Projektzuschnitte und ihre Zielgruppenansprache, um attraktiver für Sponsoren zu sein.
  •  Eine NPO lässt sich auf das Sponsoring eines Unternehmens ein und entdeckt hinterher, dass das Geschäftsgebaren des Unternehmens dem Satzungszweck zuwiderläuft.
  •  Einnahmen aus Sponsoring unterliegen steuerlichen Vorschriften, deren Missachtung die Gemeinnützigkeit und das Vermögen der NPO aufs Spiel setzt.

Entscheidungsfragen aus der Praxis

  • Unternehmen A bietet einer Nonprofit-Organisation  Sponsoring in einem hohen Umfang an, wenn es dafür Exklusivpartner ist. Diese Partnerschaft umfasst einen großen Anteil des Haushaltes und viele Dienste seitens der Organisation. Im Bereich Öffentlichkeitsarbeit möchte die Geschäftsführung des Unternehmens weitgehenden Einfluss auf die NPO ausüben.
  • Universität B richtet ein neues Institut ein. Firma C sichert vertraglich die Einrichtung und Unterhaltung des Instituts im Wege einer Sponsoring-Vereinbarung auf Dauer von zehn Jahren zu. Nach vier Jahren geht es der Firma so schlecht, dass sie ihren Verpflichtungen nicht mehr nachkommen kann. Der Institutszweck ist so speziell auf die Forschungsinteressen des Sponsors ausgerichtet, dass sich kein neuer Sponsor oder sonstiger Geldgeber findet und auch keine öffentlichen Mittel fließen. Das Institut muss geschlossen, Personal entlassen werden.
  • Die Organisation D unterhält in Entwicklungsländern Agrarprojekte und hat für Bewässerungsanlagen bisher vor allem Maschinen und Geräte der international führenden Firma E benutzt. Seit neuestem tritt Firma E als Sponsor von D auf. E hat eine Tochterfirma, die ebenfalls Bewässerungsanlagen liefert, für die aber die Mitarbeiter von D nicht ausgebildet sind und die allgemein als störanfälliger gelten. Trotzdem entschließt sich D, künftig nur noch die Maschinen von E einzusetzen und dient dem Sponsor vertragsgemäß als Referenz für seine Produkte.
  • Organisation F interpretiert das Sponsoring-Engagement von G als Spende, obwohl es sich klar um Sponsoring mit Gegenleistungen handelt. Bei der Betriebsprüfung zwei Jahre nach Beginn der Sponsoring-Tätigkeit lässt sich der Betriebsprüfer die getroffenen Vereinbarungen vorlegen und interpretiert die Einnahmen aus dem Sponsoring erwartungsgemäß als Einnahmen aus wirtschaftlicher Tätigkeit, die entsprechend zu versteuern sind. Die fälligen Steuernachzahlungen bringen den Verein an den Rand des Ruins, zumal dafür keine steuerbegünstigten Mittel eingesetzt werden dürfen.
  • Freudig geht Kinderschutz-Organisation H eine Sponsoringbeziehung mit dem Textilunternehmen I ein. Ein Blick ins Internet hätte H aber gezeigt, dass I Textilien in Heimarbeit unter unwürdigen Bedingungen zum Teil auch von Kindern herstellen lässt und dabei Chemikalien verwendet, die bei den Mitarbeitern schwere Erkrankungen hervorrufen.

 

Geltende Verhaltensregeln
Grundregeln für eine gute, ethische Fundraising-Praxis, insbesondere Regeln 3 Solidarität, 5 Integrität, 16 Vorteilsnahme; Abgabenordnung AO, AEAO Anwendungserlass; Sponsoringrichtlinien.
International Statement of Ethical Principles in Fundraising.

Wie Fundraiser sich verhalten sollten
Sponsoring ist Austausch von Geld oder geldwerten Vorteilen zwischen einer Nonprofit-Organisation und einem Wirtschaftsunternehmen zu beiderseitigem Vorteil. Der Vorteil des Unternehmens durch Imagegewinn darf nicht zu einem Verlust der Integrität. der Nonprofit führen. Sie entwickeln ethische Standards für die Arbeit der Organisation, an Hand derer jede Zusammenarbeit mit einem Unternehmen zu prüfen ist. Fundraiser achten bei Verhandlungen über Sponsoring auf die Einhaltung der Gemeinnützigkeit und der satzungsgemäßen Zwecke einer Nonprofit, die eine Beeinflussung durch Wirtschaftsinteressen zulasten des Satzungszweckes ausschließen.

Fundraiser stehen als Personen ein für die wahre und der Allgemeinheit dienenden Umsetzung der satzungsgemäßen Zwecke einer Nonprofit. Sie entwickeln ethische Standards für die Arbeit der Organisation, an Hand derer jede Zusammenarbeit mit einem Unternehmen zu prüfen ist. Fundraiser achten bei Verhandlungen über Sponsoring auf die Einhaltung der Gemeinnützigkeit und der satzungsgemäßen Zwecke einer Nonprofit, die eine Beeinflussung durch Wirtschaftsinteressen zulasten des Satzungszweckes ausschließen.

Fundraiser recherchieren vor Verhandlungen mit Unternehmen über deren Geschäfte, um Schaden für die NPO abzuwenden. Verträge mit Unternehmen sehen aus Sicherheitsgründen für beide Seiten Kündigungsfristen vor. Eine dauerhafte Sponsoringzusammenarbeit bedarf gegenseitiger Kenntnis und Eignung. Eine den Satzungszweck zuwiderlaufende Sponsoringkooperation ist bald möglichst zu beenden.

Fundraiser sorgen dafür, dass keine Abhängigkeiten von einzelnen Mittelgebern entstehen. Wenn Geberkonditionen zu einer Verschlechterung der Leistungsqualität führen, müssen Vor- und Nachteile sehr wohl abgewogen und notfalls Entscheidungen gegen einen Förderer oder eine Förderungsart getroffen werden.

Fundraiser sind jederzeit über die steuerlichen Implikationen ihres Tuns informiert. Ziel ist nicht, Steuern und Abgaben zu vermeiden, sondern sie bei der Finanzierung von Vorhaben als notwendige Kosten zu berücksichtigen. Fundraiser sorgen für eine wahre, klare, sorgfältige und den gesetzlichen Vorgaben genügende Verbuchung von Sponsoringeinnahmen. Sie wahren damit die Gemeinnützigkeit der Nonprofit.

 

Einwerbung von Stiftungsmitteln

Probleme

  •     Zuführung von Spenden zum Vermögensstock
  •     Konkurrenz zwischen Verein und eigener Stiftung
  •     Unterfinanzierung durch zu geringes Stiftungskapital
  •     Verzicht auf Bildung von Stiftungskapital
  •     Stiftungen bleiben inaktiv
  •     Mangelnde Information über Stiftungstätigkeit

Entscheidungsfragen aus der Praxis

  • NPOs gründen Stiftungen und verwandeln Zuwendungen, die als Spenden eingeworben wurden, in Stiftungsvermögen.
  • NPOs gefährden ihre durch Spendenerträge finanzierte Gemeinwohlarbeit, indem sie parallel Stiftungen gründen.
  • Stiftungen werden mit geringem Stiftungskapital gegründet, in der Hoffnung, durch Zustiftungen und Erbschaften zu wachsen.
  • NPOs gründen Stiftungen, und lassen sie dann im Verborgenen blühen mit dem Ergebnis, dass das Stiftungsvermögen stagniert und den Satzungszweck nicht erfüllt.
  • NPOS gründen Stiftungen und informieren die Stifter nicht über die weitere Entwicklung
  • NPOS gründen Stiftungen und lassen die Spenden statt des Stiftungskapitals wachsen.

Geltende Verhaltensregeln
Grundregeln für eine gute, ethische Fundraising-Praxis, insbesondere Regeln 2 Gesetz, 5 Integrität, 6 Transparenz, 11 Verwendung; Stiftungsgesetze der Länder; Abgabenordnung AO; International Statement of Ethical Principles in Fundraising.

Wie Fundraiser sich verhalten sollten
Stiftungen verlangen bei und nach der Gründung aufgrund ihrer Rechtsform bewusste Entscheidung, intensive Planung, klare Ausrichtung und Personaleinsatz. Ihre Arbeit steht neben der Spendenakquise – die weiterhin profiliert geführt werden muss.

Fundraiser benennen deutlich den Unterschied von Spenden und Stiftungsmitteln, um die laufende Projektarbeit der Organisation durch eine Stiftungsgründung nicht zu gefährden. Fundraiser engagieren sich für den Aufbau eines der Erfüllung des Stiftungszwecks gemässen Kapitalstocks.

Fundraiser informieren Stifter regelmäßig über die Arbeit der Stiftung. Fundraiser kommunizieren deutlich die Verwendung von eingeworbenen Mitteln für den Kapitalstock von Stiftungen.

Fundraiser engagieren sich für den Aufbau eines der Erfüllung des Stiftungszwecks gemäßen Kapitalstocks.

Quellenmaterial
Stiftungsgesetze des Bundes und der Länder; Abgabenordnung; Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung.

Kai Fischer und Ehrenfried Conta Gromberg: Die 10 Mythen im Fundraising. Jesteburg 2009, S. 24-31.

 

Telefonfundraising

Probleme

  •  Belästigung von Förderern, die ausdrücklich gebeten haben, von Anrufen verschont zu werden,
  •  Anrufe bei Kaltadressen, unter dem Vorwand einer Umfrage.

Entscheidungsfragen aus der Praxis

  • Gerda A. ist Förderin eines Kinderhilfswerks und hat einen Dauerauftrag eingerichtet. In regelmäßigen Abständen ruft nun das Kinderhilfswerk bei ihr an und schlägt ihr vor, den Dauerauftrag zu erhöhen. Gerda A. lehnt das ab und bittet darum, nicht mehr angerufen zu werden. Kurze Zeit später erhält sie trotzdem einen Anruf, bei dem es um die Höhe ihres Förderbeitrages geht.
  • Der Denkmalschutzverein ruft wahllos bei Bürgern von X-Stadt an und weist auf den bedrohlichen Zustand der St. Martinskirche hin, dem nur durch sofortige Baumaßnahmen abgeholfen werden könne. Der Verein bittet dazu um Spenden.
  • Die Organisation „Hilfe für eine bessere Welt“ ruft Kaltadressen an unter dem Vorwand einer Umfrage. Zunächst werden die Angerufenen gefragt, wie sie sich eine bessere Welt vorstellen. Dann fragt der Anrufer, ob sich die Befragten vorstellen könnten, mitzuhelfen, dass ihre Vorschläge Wirklichkeit werden. Schließlich mündet die „Umfrage“ in den Versuch, die Angerufenen zur Mitgliedschaft in der Organisation zu bewegen.

Geltende Verhaltensregeln
Grundregeln für eine gute, ethische Fundraising-Praxis, insbesondere Regeln 2 und 9. International Statement of Ethical Principles in Fundraising. Telekommunikationsgesetze und -verordnungen.

Wie Fundraiser sich verhalten sollten
Der Wille der Förderer ist zu respektieren und entsprechend zu dokumentieren. Wer nicht angerufen werden will, wird nicht angerufen. Um sicher zu gehen, werden Förderer auf allen Formularen gefragt, ob sie angerufen, angefaxt oder per E-Mail angesprochen werden dürfen.

 

Veranstaltung von Tombolas, Raffles und Lotterien

Probleme

  • Fehlen von Bestimmungen in Sammlungsgesetzen der Länder oder Fehlen von Sammlungsgesetzen überhaupt,
  • Willkürentscheidungen der Behörden über die Zulassung,
  •  Monopolisierung des Lotteriewesens durch etablierte, staatsnahe Gesellschaften.

Entscheidungsfragen aus der Praxis

  • Bei einer Veranstaltung wird eine Tombola durchgeführt, deren Ertrag angeblich vollständig guten Zwecken zugute kommen soll, aber dann zur Abdeckung von Defiziten der Veranstaltung genutzt wird. Es fehlt an einer Kontrolle der Mittelverwendung.
  • Behörden lassen eine Tombola nur zu, wenn der Lospreis 1 Euro statt den von den Veranstaltern anvisierten 10 Euro beträgt und die Gewinnquote bei 50 zu 50 liegt. Die Tombola soll jedoch den Hauptbenefizbeitrag der Veranstaltung bringen. Erster Preis ist ein Auto, das allein 20.000 Euro wert ist. Die Tombola würde bei 5.000 verkauften Losen aber gerade 5.000 Euro erbringen.

Geltende Verhaltensregeln
Grundregeln für eine gute, ethische Fundraising-Praxis, insbesondere Regel 5; Lotteriegesetze.

Wie Fundraiser sich verhalten sollten
Der Tombola-Reinerlös sollte komplett dem guten Zweck zugutekommen, wenn das so angekündigt ist. Zumindest müssen die Loskäufer wissen, wie viel sie zum Benefizerlös beitragen, wenn sie ein Los erwerben.
Der Neuwert der Preise sollte zum Erlös der Tombola in einem gesunden Verhältnis stehen.
Bedarf eine Lotterie oder Tombola eines Aufwands, der das Ergebnis nicht rechtfertigt, sollte auf eine Tombola oder Lotterie verzichtet werden. Wichtig ist stets das Netto- und nicht das Bruttoergebnis.

 

Gestaltung von Fundraising-Events

Probleme

  •  Die Kosten des Benefizevents übersteigen die Erträge. Für den guten Zweck bleibt nichts übrig.
  •  Das Benefizanliegen des Events wird übertrieben dargestellt, um mehr Einnahmen zu erzielen.
  •  Es ist vor dem Benefizevent nicht ausreichend geklärt, wem die Erlöse zugutekommen und wie die Risiken verteilt werden sollen.
  •  Der Veranstalter gibt dem Event einen Benefizcharakter, um seinen Aufwand zu reduzieren. Der gute Zweck ist nur aufgesetzt.

Entscheidungsfragen aus der Praxis

  •  Der Verein für Muskelkranke von A-Dorf engagiert für eine Benefizveranstaltung das Symphonieorchester von Kasachstan unter einem berühmten Dirigenten. Orchester und Dirigent verlangen kein Honorar. Die Aufwendungen für Flug und Unterkunft sind aber so hoch, dass auch bei bestem Besucherandrang ein Defizit unvermeidlich ist. Um wenigstens einen kleinen Überschuss suggerieren zu können, bittet der Verein seine Mitglieder um Spenden zur Deckung der Veranstaltungskosten.
  • Fernsehsender X sendet eine Spendengala. Um möglichst hohe Spenden einzunehmen, werden Menschen in einem Katastrophengebiet als völlig unfähig, sich selbst zu helfen, dargestellt, obwohl es ein funktionierendes örtliches Hilfesystem gibt.
  • Ein Service-Club lädt zu einer Benefizveranstaltung „für notleidende Kinder“ ein, ohne zu erläutern, was mit den eingenommenen Spenden getan werden soll. Der Vorsitzende sagt der Presse, dass man darüber erst entscheiden wolle, wenn man wisse, wie viel gespendet worden ist.
  • Hilfswerk A verkündet, dass bei der großen Benefizgala zugunsten der Erdbebenopfer in Italien 20.000 Euro eingenommen worden sind. Beim Empfänger kommen aber nur 5.000 an. Das Hilfswerk behauptet, es handele sich erst einmal um einen Abschlag, dem weitere Zuwendungen folgen sollen. Dann hört man nichts mehr von der Sache. Bei spätere Nachfragen gibt der Verein zu, dass für die Erdbebenopfer genug Geld zusammengekommen sei und der Verein die Spenden in die Rücklagen für „ähnliche“ Hilfsmaßnahmen genommen habe. In Wirklichkeit sind sie aber in den allgemeinen Rücklagen des Werks gelandet.
  • Mehrere Theatervereine in A-Stadt tun sich zusammen, um eine Benefizaufführung mit einer populären Komödie zugunsten der Kongo-Hungerhilfe zu veranstalten. Die Organisation der Veranstaltung teilen sie untereinander auf. Die Veranstaltung zieht ein großes Publikum an. Der Vorverkauf läuft so gut, dass zwei Zusatzaufführungen angesetzt werden müssen. Kurz vor der Veranstaltung schlägt der Vorsitzende des Theatervereins B vor, dass ein Teil des Erlöses unter den mitwirkenden Vereinen aufgeteilt werden und nur 40 Prozent an die Hungerhilfe weitergeleitet werden soll. Auf den Plakaten und in der Presse ist aber nur von der Hungerhilfe die Rede. Das Finanzamt, von der Hungerhilfe alarmiert, will nun wissen, wie der Erlös sich aufteilt. Da niemand für die Erfüllung des öffentlich gegebenen Benefizversprechens eintreten will, hält sich das Finanzamt an den Vorstand eines der beteiligten Vereine und droht mit Nachforderungen.
  • Eventveranstalter Z will endlich groß herauskommen. In Peru bebt die Erde. Er lädt Stars und Sternchen zum großen Benefizevent “Frankfurt bebt für die Kinder in Peru”. Alle verzichten auf ihre Gage. Die Kinder in Peru sind Z. ziemlich gleichgültig. Sie werden nur instrumentalisiert.

Geltende Verhaltensregeln
Grundregeln für eine gute, ethische Fundraising-Praxis, insbesondere Regeln 5, 6 und 11; International Statement of Ethical Principles in Fundraising.

Wie Fundraiser sich verhalten sollten
Kosten und Ertrag eines Benefizevents müssen in einem angemessenen Verhältnis stehen. Maßstab ist, von welchen Erträgen Förderer aufgrund der Werbung ausgehen dürfen. Sind keine hohen Erlöse zu erwarten, muss das in der Werbung für die Veranstaltung entsprechend zum Ausdruck kommen: „Eventuelle Überschüsse der Veranstaltung fließen dem Hilfswerk B zu“.

Übersteigen die Einnahmen die Erwartungen und liegen höher als der Betrag, der für den guten Zweck erwartet oder schon zugesagt wurde, müssen die Erträge trotzdem dem zugesagten Zweck oder Projekt zufließen.

 

Prominente im Einsatz

Probleme

  •  Persönliche Integrität der Prominenten ist fragwürdig
  •  Reiche Förderer schrecken ärmere ab
  •  Engagement Prominenter für guten Zweck wird übertrieben
  •  Prominente übernehmen Leitungsfunktionen

Entscheidungsfragen aus der Praxis

  • Der erfolgreiche Olympiareiter Herbert R. übernimmt die Schirmherrschaft über einen Tierschutzverein, der sich streng gegen jegliche Treibjagden ausspricht. R. ist begeisterter Jäger und wird häufig auf Treibjagden gesehen.
  • Der Immobilienkaufmann Z gilt als sehr reicher Mann. Es ist aber nicht erkennbar, dass er mehr tut als seinen Namen oder die Räume seiner üppigen Villa für eine Benefizveranstaltung herzugeben. Die angesprochenen Förderer sagen: Erst mal soll der etwas von seinem Reichtum abgeben.
  • Schlagersternchen Bettina K. tritt beim Benefizabend des Frauenhauses von A-Stadt als Hauptattraktion auf. K. hat noch wenige Engagements. Das Frauenhaus stellt das Engagement von K. so dar, als ob sie sich ausschließlich honorarfrei für die gute Sache einsetze. In Wirklichkeit verlangt sie ein Honorar, das zwar unter dem üblichen Auftrittshonorar bei Firmen- und Zeltveranstaltungen bleibt, aber den reinen Aufwand für Reise und Übernachtung bei weitem überschreitet. Der Erlös der Veranstaltung kommt dem guten Zweck zugute, weil das Honorar von einer besonders großzügigen Verehrerin von K. übernommen wird, die dafür eine Spendenquittung bekommt.
  • Schauspieler B reist mit Hilfswerk A durch einige Länder Afrikas. Die Arbeit des Werks beeindruckt ihn. Das Hilfswerk sucht einen neuen Vorsitzenden und traut B das Amt zu. Der hat gerade wenige Engagements, stellt sich zur Wahl, wird gewählt, und die ganze Öffentlichkeitsarbeit des Hilfswerks wird auf B eingestellt. Doch der hat eigentlich zu wenig Zeit und Lust, sich um die mit dem Amt verbundenen administrativen Tätigkeiten zu kümmern. Es kommt zu einer Revolte der engagierten Mitarbeiter von Hilfswerk A und entsprechendem Imageschaden. B tritt zurück und distanziert sich vom Hilfswerk, um seinen Ruf zu retten.

Geltende Verhaltensregeln
Grundregeln für eine gute, ethische Fundraising-Praxis, insbesondere Regeln 5 und 6. International Statement of Ethical Principles in Fundraising.

Wie Fundraiser sich verhalten sollten
Der Einsatz von Prominenten erfordert besondere Sorgfalt. Nicht das Kriterium „Prominenz“ darf den Ausschlag geben, sondern die Glaubwürdigkeit von Prominenten. Besonders neu gegründete kleine Organisationen mit großer Fundraising-Konkurrenz neigen dazu, Prominente aller Art anzuschreiben und zum Mitmachen einzuladen. Wirklich Prominente mit einem Mitarbeiterstab erkundigen sich erst einmal, für wen sie da einstehen sollen. Unbekannte Sternchen oder Prominente mit flüchtigem Bekanntheitsgrad sagen rascher zu, wenn der gute Zweck jedem einleuchtet, was bei der Hilfe für unschuldig in Not Geratene, vor allem Kinder, meist der Fall ist. Die Organisation kann zwar rasch ihren Bekanntheitsgrad steigern, es werden aber auch hohe Erwartungen geweckt. Wenn der Schirmherr oder die Schirmherrin dann ein schlechtes Vorbild sind, ist der Image-Schaden beträchtlich. Bei lokalen Veranstaltungen und Organisationen ist es besser, sich Prominente aus dem regionalen Bereich zu holen, unter Umständen auch, die Schirmherrschaft an ein Amt, etwa des Bürgermeisters, des Landrats oder eines Fachministers zu binden.

Bei der Honorierung Prominenter gilt das Prinzip der Wahrhaftigkeit. Wenn Prominente mehr verlangen als nur Entschädigung für den Aufwand oder dieser wegen einer gehobenen Unterbringung des gesamten Trosses in einem Luxushotel der nahen Großstadt besonders hoch ist, unterlässt man den Hinweis auf einen kostenfreien Auftritt am Besten, denn spätestens bei der Rechnungsprüfung am Ende des Geschäftsjahres kommt alles zum Vorschein.

 

Schutz von Fördererdaten

Probleme

  • Austausch von Fördererdaten mit anderen NPOs, Dienstleistern oder sonstigen Interessenten ohne Wissen oder Zustimmung der Betroffenen;
  • Verkauf oder Mitnahme von Fördererdaten durch ungetreue Mitarbeiter;
  • Ankauf, Anreicherung und Vermarktung solcher Daten oder von Daten unklarer Herkunft durch Adressmittler;
  • Unzureichender Schutz sensibler Fördererdaten innerhalb von Einrichtungen und Adressunternehmen.

 

Entscheidungsfragen aus der Praxis

  • Ein Dienstleister hat für ein Kinderhilfswerk eine Spendengala durchgeführt und nur zu diesem Zweck Spenderdaten von der Organisation erhalten. Der Dienstleister bietet diese Daten einer anderen Organisation an, die an der gleichen Zielgruppe interessiert ist
  • Ein Dienstleister führt Mailing-Aktionen für verschiedene NPOs durch. Anschießend reichert er die Daten von Spendern mit einem entsprechenden Vermerk an und bietet die angereicherten Daten anderen Organisationen an. Im Lauf der Zeit werden die Daten immer umfangreicher und spezieller, und er vermietet sie als Topspenderdaten zu immer höheren Preisen.
  • Langjährige Förderer einer Organisation erhalten plötzlich eine Unmenge von Spendenbriefen. Sie beschweren sich bei ihrer Spendenorganisation, weil sie bei ihr die Ursache für diese Briefflut sehen. es stellt sich heraus, dass der frühere EDV-Leiter noch Zugang zu den Daten der Organisation hat, diese als „Hacker“ anzapft und die Daten weiterverkauft. Als Gründe für sein Tun gibt er an, dass die Organisation ihm noch Geld schulde, die Entlassung ungerechtfertigt gewesen sei, die Organisation mit ihrem Geld ohnehin nicht sorgfältig umgehe und mit den Daten auch andernorts noch viel Gutes getan werden könne.

Geltende Verhaltensregeln
§ 28 BDSG. Datenschutzgesetze der Länder, Kirchen und einiger Organisationen.

Grundregeln für eine gute, ethische Fundraising-Praxis, insbesondere Regeln 10 und 18; VENRO-Kodex „Entwicklungsbezogene Öffentlichkeitsarbeit“ des Verbands Entwicklungspolitik Deutscher Nichtregierungsorganisationen e.V., insbesondere II.12.; Selbstverpflichtung der Mitgliedsorganisationen des Deutschen Spendenrates e.V., insbesondere 4.

Wie Fundraiser sich verhalten sollten
Fundraiser kennen die geltenden Gesetze. Sie dringen darauf, dass ihre NPO einen kundigen Datenschutzbeauftragten ernennt.

Für Fundraiser stehen die Interessen der Förderer an erster Stelle. Auf Wunsch werden Daten von Betroffenen gelöscht.

Fundraiser halten sich an die Regeln des DRFV und tauschen keine Adressen mit anderen Organisationen ohne Zustimmung des Betroffenen.

Fundraiser sorgen für eine umfassende Datensicherheit und ergreifen alle gängigen Schutzmaßnahmen, um Datendiebstahl und sonstigen -missbrauch zu verhindern.

Fundraiser versichern sich bei Adressanmietung der Herkunftsquelle und der Rechtmäßigkeit der Datenweitergabe.

Fundraiser treffen mit Dienstleistern vertragliche Vereinbarungen über die Einhaltung von Datenschutzregeln.

Alle Mitarbeiter, die mit der Datenbank arbeiten, unterschreiben eine Datenschutzerklärung. Sie werden deutlich auf Sanktionen bei Verstößen hingewiesen.

Für Anlassspenden gilt, dass Namen der Spender und gespendete Beträge denjenigen, die auf private Zuwendungen zugunsten der guten Zwecke verzichtet haben, mitgeteilt werden können, sofern der Spender dem nicht widerspricht. In solchen Fällen ist davon auszugehen, dass der Spender ein Interesse daran hat, dass der Verzichtende davon erfährt, dass ihm eine Zuwendung zuteil geworden wäre, wenn er nicht darauf verzichtet hätte. Der Verzichtende sollte damit auch Gelegenheit bekommen, sich persönlich für die Zuwendung zu bedanken. Umgekehrt sollte der Verzichtende der NPO die Anschriften der Spender geben, damit sie Zuwendungsbestätigungen erhalten und über die Verwendung ihrer Spenden informiert werden können.

 

Leistungsfähigkeit von Datenbanken

Probleme

  • Ergänzungen und Änderungen in der Förderer-Datenbank sind nur schwer möglich.
  • Die Förderer-Datenbanken sind mit anderen Datenbanken der NPO unzureichend vernetzt.
  • Die Datenbanken einer NPO sind gut vernetzt, aber ohne differenziertes Zugriffsmanagement Mitarbeitern frei zugänglich.
  • Für das Fundraising wird Software benutzt, die für andere Zwecke geschrieben wurde und die lediglich einige insulär programmierte Fundraising-Module enthält

 

Entscheidungsfragen aus der Praxis

  • Eine Organisation bietet Fortbildungen an und ist zugleich in der Spenderwerbung aktiv. Die Datenbank der Organisation bietet den Mitarbeitern aus dem Bereich Fundraising auch die Möglichkeit zum Zugriff auf Teilnehmerlisten der Fortbildungsveranstaltungen. Sie nutzt diese Möglichkeit und schickt ihre Spendenwerbung ohne Absprache mit den zuständigen Referenten der NPO an die Teilnehmer von Umschulungsmaßnahmen für erwerbslose Jugendliche und Erwachsene und an einen Kurs für Familienberatung notleidender Frauen.
  • Wünsche von Förderern wie etwa zur Frequenz von Werbezusendungen und Dankschreiben, zu temporärer Adressänderung, zum Anrufverbot, zur Frequenz von Zuwendungsbestätigungen etc. werden nicht berücksichtigt, weil die NPO sie nicht in ihrer Kartei bzw. EDV-gestützten Datenbank abbilden kann.
  • Förderer werden an ihre Beitragszahlung erinnert, obwohl sie längst gezahlt haben; Verstorbene werden angeschrieben, obwohl den Angehörigen längst kondoliert wurde; potenziellen Förderern, die nie gespendet haben, wird für ihre hochherzigen Spenden in der Vergangenheit gedankt.
  • Personen, die nie gespendet haben, werden von den NPO angerufen, als seien sie Dauerförderer. Ihnen wird telefonisch für ihr Engagement gedankt, um einen Vorwand und eine rechtliche Grundlage für den Kaltanruf zu bekommen.
  • Organisation P. setzt Software ein, die ursprünglich für die Kundenbetreuung eines Online-Versandhauses geschrieben wurde. Die Programmierer sind der Meinung, dass es ein Leichtes sei, sie auch fürs Fundraising „nachzurüsten“. Dabei kommen zahlreiche Unzulänglichkeiten zutage, die die NPO viel Geld kosten. Nach einiger Zeit stellt sich heraus, dass die Mastersoftware nicht mehr weitergepflegt wird. Die Anforderungen an das Customizing der Software werden so hoch, dass die NPO auf professionelle Lösungen umsteigen muss. Die Investitionen in die Insellösung muss sie abschreiben.
  • NPOs missachten Robinson- und andere Sperrlisten bei Verwendung von Fremdadressen für Mailings und Telefon-Fundraising bzw. achten nicht darauf, ob ihre Dienstleister sie verwenden.
  • NPOs missachten, dass bestimmte Werbeformen der ausdrücklichen Erlaubnis des Empfängers bedürfen.

 

Geltende Verhaltensregeln
Datenschutzgesetze und -verordnungen des Bundes und der Länder, der Kirchen und anderer NPOs.

Grundregeln für eine gute, ethische Fundraising-Praxis, insbesondere Regeln 2, 5, 10 und 12; Selbstverpflichtung der Mitgliedsorganisationen des Deutschen Spendenrates e.V., insbesondere Verpflichtung 3.

Wie Fundraiser sich verhalten sollten
Fundraiser handeln ehrlich und integer. Sie respektieren die Wünsche und Interessen ihrer Förderer und sorgen dafür, dass diese dauerhaft und unmissverständlich erfasst werden.

Fundraiser achten darauf, dass bei Einsatz von Fremdadressen die einschlägigen Sperrlisten der Branche berücksichtigt werden.

Fundraiser kennen die geltenden Gesetze. Fax-, E-Mail und SMS-Werbung ist nur mit vorheriger Genehmigung der Betroffenen möglich.

Fundraiser sorgen dafür, dass ihre Datenbank verlässlich arbeitet. Sie kennen die Möglichkeiten ihrer Software und die eigenen personellen Ressourcen.

Mitarbeiter, die mit der Datenbank arbeiten, sind ausreichend geschult, um die Fehlerquote gering zu halten.

Fundraiser reagieren im Rahmen eines eingeführten Beschwerdemanagements unmittelbar und angemessen, wenn etwas schief gelaufen ist. Fehler werden dokumentiert und analysiert, um sie künftig zu vermeiden.

Umgang von NPOs mit Dienstleistern

 

Probleme

  • Schriftliche vertragliche Vereinbarungen fehlen.
  • Dienstleister arbeiten mit hohen Provisionen, manchmal auf eigenes Risiko.
  • NPOs zwingen Dienstleister zum Abtreten von Provisionen, die den Dienstleistern zustehen.
  • Dienstleister parken im Auftrag von NPOs eingenommene Gelder übermäßig lange und betrachten sie als Darlehen.
  • Dienstleister bewerben sich um Aufträge, die ihr Leistungsvermögen übersteigen.
  • Dienstleister treten unter dem Namen von NPOs auf.

 

Entscheidungsfragen aus der Praxis

  • Fehlende Klärung von Art und Umfang des Auftrags, der Fälligkeit und Höhe des Honorars und der Möglichkeit einer Vertragskündigung führen zu Missverständnissen und Problemen in der Zusammenarbeit sowie unter Umständen zu finanziellen Verlusten.
  • Agenturen und Dienstleister sind darauf angewiesen, ihr Know-how und ihre Leistungsfähigkeit gegenüber Interessenten darzustellen, um sie als Kunden gewinnen zu können. Unrichtige und übertriebene Darstellungen können zur Beauftragung eines Dienstleisters führen, der nicht das für die Aufgabe notwendige Know-how mitbringt.
  • Dienstleister sind mit dem Sammeln von Spenden für andere NPOs beauftragt. Sie parken die gesammelten Gelder auf eigenen Konten, kassieren dafür Zinsen, nehmen Darlehen davon, riskieren, dass die Gelder bei Insolvenz in die Konkursmasse einbezogen werden.
  • Telemarketing-Agenturen melden sich bei aktiven und passiven Anrufen unter dem Namen ihrer Auftraggeber.

 

Geltende Verhaltensregeln
Grundregeln für eine gute, ethische Fundraising-Praxis, insbesondere Regeln 6, 14 und 18; International Statement of Ethical Principles in Fundraising.

Wie Fundraiser sich verhalten sollten
Bei fehlenden vertraglichen Vereinbarungen greifen die Regelungen des BGB. Allerdings besteht in der Praxis immer wieder das Problem, nicht schriftlich vereinbarte Sachverhalte auch zu beweisen. Die Möglichkeit einer Kündigung sollte vorgesehen werden, um eine Zusammenarbeit auch wieder beenden zu können.

Schriftliche Vereinbarungen zwischen Nonprofit-Organisationen und Dienstleistern sind zwingend notwendig. Diese sollten mindestens umfassen:

  • Den Umfang und den Inhalt des Auftrags;
  • Umfang und Fälligkeit der Honorierung;
  • Möglichkeit, Zeitpunkt und Verfahren einer Kündigung.

Agenturen und Dienstleister sollen keine unwahren, fehlerhaften oder übertriebenen Behauptungen über ihre Erfahrungen, ihre Leistungsfähigkeit und ihr Know-how aufstellen. Transparenz und Wahrhaftigkeit sind auch im Umgang zwischen Organisationen und Agenturen unverzichtbar.

Für eine erbrachte Leistung eines Dienstleisters wird ein Honorar fällig, es sei denn, dass zwischen dem Dienstleister und der Organisation eine Pro-Bono-Leistung ausdrücklich vereinbart worden ist.

Teile der Honorierung können erfolgsabhängig gezahlt werden. Gratifikationen und Boni beim Erreichen definierter Ergebnisse können gezahlt werden.

Eine Vergütung ausschließlich auf Basis von Provisionen ist nicht zulässig. Sollten Provisionen gezahlt werden, müssen diese nach oben gedeckelt sein. Mindestens 50 Prozent des Honorars muss als Fixum vereinbart sein.

Das Fixum darf nur in Ausnahmefällen weniger als 50 Prozent betragen und dies auch nur dann, wenn durch interne Kontroll- und Schulungssysteme sichergestellt ist, dass unzulässiger Druck weder auf mögliche Förderer noch auf die Dialoger ausgeübt wird.

Um Nonprofit-Organisationen vom Risiko des Fundraisings entlasten zu können, ist es möglich, bei einem nicht eingetretenen Erfolg die Vergütung um einen vorher vereinbarten Betrag zu kürzen.

Unrealistisch hohe, den Erfahrungen widersprechende Arbeitsanforderungen sind als unethisch anzusehen und nicht statthaft. Hierdurch kann ein nicht unerheblicher Druck auf den Dienstleistenden ausgeübt werden.

Werden Subunternehmen oder freiberufliche Dienstleister bzw. Auftragnehmer durch den Dienstleister eingesetzt, gelten die Vorschriften über die Vergütung auch für diese. Dies hat der Dienstleister sicherzustellen. Die Vereinbarung bezüglich der Vergütung von Subunternehmen bzw. freiberuflichen Auftragnehmern kann Teil der Vereinbarung zwischen Agentur und Dienstleister sein.

Alle Empfehlungen und Vorschriften des Best Practice für Datenschutz müssen zwischen Dienstleistern und Nonprofit-Organisationen vereinbart werden, wenn der Dienstleister Daten für die Organisationen ver- oder bearbeitet.

Der Vereinnahmung von Geldern durch Dritte muss die Organisation, in deren Namen die Gelder vereinnahmt werden, ausdrücklich zustimmen.

Spenden für eine andere Organisation dürfen nicht rechtsverbindlich in den Besitz der diese Spenden sammelnden Organisation übergehen.

Die Forderung nach Transparenz gebietet, dass der Prozess des Sammelns von Spenden für den Spender nachvollziehbar ist. Spendenbescheinigungen sind von der Organisation auszustellen, für die gespendet worden ist, nicht von Organisationen, die Spenden in fremdem Namen einsammeln.

Diese Regelungen gelten nicht nur für Unternehmen, sondern auch für NPOs, deren Aufgabe die Beschaffung von Ressourcen für andere gemeinnützige Organisationen (sogenannte „Fördervereine“) ist.

Durch Dienstleister eingesammelte Spenden gehören nicht zum Vermögen des einsammelnden Unternehmens, sondern stehen der Nonprofit-Organisation zu, in deren Namen sie eingesammelt wurden. Als Sondervermögen sind alle vereinnahmten Gelder, wenn sie nicht unmittelbar an die Nonprofit-Organisation weitergeleitet werden, auf einem Treuhandkonto zu hinterlegen. Es ist sicherzustellen, dass diese Gelder insolvenzsicher angelegt sind.

Fundraiser in Agenturen unterstützen die NPOs bei der Einhaltung der gesetzlichen und ethischen Regeln des Fundraisings. Will der NPO-Kunde zum Beispiel die ethischen Regeln verlassen, müssen Fundraiser entscheiden, ob der Kunde/NPO noch betreut werden soll oder nicht.

Fundraiser in Agenturen sollten mit der Geschäftsführung ihrer Agentur in einem Firmenkodex festlegen, unter welchen Voraussetzungen die Agentur für NPOs arbeiten will und welche Ausschlusskriterien bestehen.

Quellenmaterial
Gerhard M. Zack: Fraud and Abuse in Nonprofit Organizations, Hoboken, N.J. 2003, S. 170f.; Gerhard Müller-Werthmann: Die Geschäfte des Roten Kreuzes: Konzern der Menschlichkeit, Rastatt 1986, S. 41–49; Kai Fischer: Provisionen – der Fluch im Fundraising, in: Fundraising professionell1/2008, S. 34–42.

 

Pro-Bono-Angebote von Dienstleistern

 

Probleme

  • NPOs akzeptieren Pro-Bono-Angebote für Werbemaßnahmen, die eigentlich nicht zum bisherigen Erscheinungsbild oder zu Arbeitsschwerpunkten passen.
  • Qualifizierte Dienstleister haben das Nachsehen, NPOs verlieren Geld.
  • Manche Pro-Bono-Angebote sind mit Folgekosten verbunden, die nicht ausreichend berücksichtigt werden, manchmal erfordern sie einen hohen Betreuungsaufwand.
  • Kostenlose Einmalleistungen gefährden die Kontinuität langfristiger Fördereransprache.

 

Entscheidungsfragen aus der Praxis

  • Eine Werbeagentur bietet einer Organisation an, ihr kostenlos einen TV-Spot zu produzieren und ihn auch selbst im Fernsehen zu platzieren. Bei der inhaltlichen Gestaltung des Spots lässt sich die Agentur nicht hineinreden. Man wisse schon, wie das geht. Heraus kommt etwas, das schön aussieht, aber wenig mit der Arbeit und dem Image der Organisation zu tun hat. Der Spot läuft fünfmal nachts im Fernsehen und qualifiziert sich damit für die Teilnahme an einem internationalen Fachwettbewerb, in dem mit Charity-Spots Preise leichter zu gewinnen sind. Mit dem Gewinn des Preises und dem Namen der „beschenkten“ Organisation schmückt sich die Agentur in den Medien und auf ihrer Homepage.
  • Ein Dienstleister bietet einer NPO kostenloses Fundraising gegen Abtretung eines bestimmten Anteils an den Einnahmen an.
  • Die Staatliche Fachhochschule für Marketing in X-Stadt bietet Organisationen kostenlose Fundraising-Kampagnen, gestaltet von Arbeitsgruppen der jeweiligen Abschlussjahrgänge, an, wo sie auch Teil der Prüfung sind.

 

Geltende Verhaltensregeln
Keine.

 

Wie Fundraiser sich verhalten sollten
Pro-Bono-Angebote werden abgelehnt, wenn die daraus erwachsenden Nachteile oder der zu erwartende Eigenaufwand die Vorteile übersteigen. Auch ist zu prüfen, ob die Vorteile nachhaltig sind. Wenn die Fortsetzung einer groß angelegten, erfolgreichen Pro-Bono-Kampagne ausbleibt, kann sich das nachhaltig auf das Image der Organisation auswirken. Wenn die Leistungsfähigkeit der NPO durch eine Kampagne größer erscheint als sie in Wirklichkeit ist, ist das ebenfalls nachteilig.

Bei Dienstleistern, die das Risiko von Werbemaßnahmen übernehmen, wenn die daraus erwachsenden Einnahmen zum größten Teil an sie zurückfallen, ist äußerste Vorsicht geboten. Die die Förderer müssten darüber aufgeklärt werden, dass ihre ersten Spenden fast vollständig an Dritte gehen. Ob sie dann noch spenden würden, ist fraglich. Spenden als Starthilfe für neugegründete Organisationen sind bei uns nicht populär.

Beratungskonflikte

 

Probleme
Agenturen und Berater tendieren dazu, ihren Kunden den Einsatz von bestimmten Werbemitteln zu empfehlen, weil sie ihnen den größten Profit bringen oder weil sie gerade darauf spezialisiert sind.

Entscheidungsfragen aus der Praxis

  • Ein Test-Mailing einer Naturschutz-NPO an Biologielehrerinnen für ein Forschungsprojekt „Rettet die Pinguine“ hat unterdurchschnittliche Responseraten. Die auf Mailings spezialisierte Agentur rät der NPO dennoch, 15.000 Pädagoginnen anzuschreiben, da das Testmailing zu ungünstiger Zeit direkt vor den Osterferien verschickt worden sei.
  • Die Telefonmarketing-Agentur ruft Unterzeichner eines Boykottaufrufes einer Verbraucherschutz-NPO im Auftrag der NPO an, um sie zu einer Fördermitgliedschaft zu bewegen. Neunzig Prozent der ersten zweihundert Angerufenen brechen das Gespräch vorzeitig ab, weil sie sich belästigt fühlen. Trotzdem rät die Agentur dazu, alle 5.000 geplanten Anrufe durchzuziehen.

 

Geltende Verhaltensregeln
Grundregeln für eine gute, ethische Fundraising-Praxis, insbesondere Regel 11;
International Statement of Ethical Principles in Fundraising.

Wie Fundraiser sich verhalten sollten
Verträge mit Dienstleistern sollen so gestaltet werden, dass Maßnahmen, die sich nicht als sinnvoll und/oder effektiv erweisen, auch vorzeitig beendet werden können.

Bei der Auswahl von Dienstleistern ist darauf zu achten, dass die Dienstleistungsqualität nicht unter dem Erwerbsdruck leidet. Dienstleister sollten nach Möglichkeit nicht selbstständig über Art und Umfang ihrer Aufträge entscheiden können, sondern jederzeit einer Auftrags- und Effektivtätskontrolle unterliegen.

Anwerbung und Einsatz ehrenamtlicher Fundraiser

Probleme

  • Ehrenamtliche Fundraiser werden ungenügend auf ihren Einsatz vorbereitet.
  • Ehrenamtliche werden unzureichend geführt und kontrolliert, in der NPO ist niemand richtig zuständig.
  • Ehrenamtliche gehen ohne Absprache eigene oder fremde Risiken ein.
  • Ehrenamtliche nutzen den guten Namen einer NPO für Fundraising in eigener Sache.
  • Ehrenamtliche vernachlässigen Beruf und Familie der guten Sache wegen.

 

Entscheidungsfragen aus der Praxis

  • Caroline Müller wendet sich an das Musterhilfswerk für Kinder e.V. und bietet sich als Sammelhelferin an. Gleich morgen wolle sie sich in die Fußgängerzone stellen und dort mit einer Sammelbüchse um Geldspenden bitten. Aus der Zentrale des Musterhilfswerks wird sie nur ermuntert: “Na dann machen Sie mal.“ Caroline Müller steht in der Fußgängerzone und sammelt. Schon nach kurzer Zeit kommt die Ordnungspolizei der Stadt vorbei und fragt nach der Sammelerlaubnis. Caroline Müller kann keine vorweisen. Die Sammelbüchse mit dem Geld wird eingezogen, die Personalien von Caroline Müller werden notiert. Empört wendet sie sich an das Musterhilfswerk und fragt, was sie denn falsch gemacht habe. Dort fühlt sich niemand für sie zuständig. Die Stadt legt ihr ein Ordnungsgeld auf. Sammelbüchse und Geld gehen an das Musterhilfswerk. Caroline Müller ist sehr enttäuscht. Schon nach kurzer Zeit wendet sie sich an die Lokalpresse und berichtet von ihren Erfahrungen mit dem Musterhilfswerk.
  • Christian Mustermann ernennt sich zum ehrenamtlichen Beauftragten des Musterhilfswerks für Kinder e.V. in A-Stadt. Er mietet ein Büro, angeblich im Auftrag der Organisation, druckt Briefbögen mit dem Logo der Organisation und seinen eigenen Daten darunter, gibt in der Lokalpresse Interviews und macht sich auf Spendensuche unter den Firmen der Stadt und Umgebung. Bald hat er etliche Spenden und auch ein paar Sponsoren zusammen, sammelt Ehrenamtliche um sich, gründet den „Förderverein Buxtehude für das Musterhilfswerk für Kinder e.V.“, dessen Vorsitzender und Geschäftsführer er wird, lädt Wohlhabende und Prominente zu einem Benefiz-Event ein und lässt sich allseits als Wohltäter feiern. Aus den Einnahmen des Fördervereins lässt er sich von seinem Verein ein Gehalt genehmigen. Die Zentrale des Musterhilfswerks schaut tatenlos zu, weil der Spendenzufluss aus Buxtehude immer reichlicher wird, und will das Muster Buxtehude sogar als Pilotprojekt für andere lokale Niederlassungen etablieren. Nach einiger Zeit verliert der Buxtehuder Förderverein seine Gemeinnützigkeit, weil sich herausstellt, dass nur ein kleiner Anteil der Spenden tatsächlich dem guten Zweck zufließt, das Meiste jedoch in den Taschen des Vereinsgründers und seiner Freunde landet.
  • Harald Paulsen ist Ortsvorsitzender der Musterhilfe X-Stadt e.V. und legt sein ganzes Können in die Entwicklung der Organisation. Dabei geht nicht nur seine Freizeit drauf, sondern ein Gutteil seiner Arbeit als Selbstständiger, aus der eigentlich Einnahmen zum Unterhalt seiner Familie, Frau und drei Kinder, fließen sollen. Während es dem Verein immer besser geht, geht es der Familie immer schlechter. Die Verpflichtungen übersteigen die Einnahmen. Harald Paulsen muss Privatkonkurs anmelden.

Geltende Verhaltensregeln
Grundregeln für eine gute, ethische Fundraising-Praxis, insbesondere Regel 18.

Wie Fundraiser sich verhalten sollten
Ehrenamtliche Fundraiser müssen mit besonderer Sorgfalt ausgewählt, auf ihren Einsatz vorbereitet und kontrolliert werden. Die Zuständigkeiten für sie müssen innerhalb der Organisationen geregelt sein. Findet ehrenamtliches Engagement im Fundraising in größerem Stil statt, empfehlen sich schriftliche Regelungen, die von den ehrenamtlichen Fundraisern durch Unterschrift anzuerkennen sind. Sie müssen insbesondere enthalten

  • Verwendung des Namens der Organisation;
  • Verwendung des Logos der Organisation;
  • Einen Rahmen innerhalb dessen selbstständig gehandelt werden kann;
  • Übergabe der Zuwendungen an die Organisation;
  • Regelungen über die Entschädigung von Aufwand.
 

Umgang mit Großspendern

Probleme

  • NPOs unterscheiden nicht zwischen Groß- und Kleinspenden und verschenken damit Potenzial.
  • Die Herkunftsprüfung einer Großspende erweist sich als schwierig.
  • Fundraiser nutzen persönliche Beziehung zu Großspendern zur Erlangung persönlicher Vorteile wie Übernahme der Nachlassverwaltung, Lenkung der Zweckbindung, Berücksichtigung bei der Erbschaft, Erlangung von persönlichen Darlehen, Schenkungen, Jobs für Angehörige oder sich selbst oder sonstigen Vorteilen.
  • NPOs raten Großspendern zu Zustiftungen oder Stiftungsgründungen in Bereichen, die eigentlich der Soforthilfe bedürfen.

 

Entscheidungsfragen aus der Praxis

  • Eine junge, rasch wachsende Organisation erhält Großspenden. Sie will alle Spender gleich behandeln und bedankt sich bei allen mit unpersönlichen Routineschreiben.
  • Eine Großspende wird überwiesen, die Angaben auf dem Zahlschein/dem Überweisungsträger sind unvollständig, abgekürzt, unleserlich.
  • Eine Spende wird offline ohne Angaben überwiesen, durch einen Dritten (im Auftrag des anonym bleibenden Spenders) überwiesen oder als Bargeld eingeschickt (z. B: Banknoten im Briefumschlag).
  • Bei einer NPO geht eine große Spende von einer Person ein, die immer wieder durch ihre frauenfeindlichen und rassistischen Bemerkungen in der Öffentlichkeit von sich reden macht.
  • Fundraiser A. betreut für seine Tierschutzorganisation die 88-jährige Bankierswitwe Traude Z. Frau Z. findet Gefallen an dem jungen Mann, zumal sich die eigenen Kinder und Enkel kaum um sie kümmern. Sie will seiner Tierschutzorganisation alles vermachen, was sie hat. A. überredet sie, ihn persönlich als Nachlassverwalter einzusetzen und ihm ein Haus aus ihrem Vermögen zu schenken.
  • B. ist Fundraiserin des Kinderhilfswerks und innerhalb des Werks Geschäftsführerin von dessen jüngst gegründeter Kinderhilfestiftung. Obwohl das Kinderhilfswerk dringend Sofortmittel benötigt, überredet sie Großspender nur zu Zustiftungen.

 

Geltende Verhaltensregeln
Grundregeln für eine gute, ethische Fundraising-Praxis, insbesondere Regeln 2, 5, 6, 15 und 16; International statement of Ethical Principles in Fundraising, insbesondere Abschnitte 1, 3 und 5.

Wie Fundraiser sich verhalten sollten
Auf der Basis verbindlicher Definitionen wird möglichst täglich nach entsprechenden Beträgen bereits vor der internen (Ver-)Buchung geforscht (Kontoauszüge prüfen). Eine enge und klare Abstimmung mit der Buchhaltung/Spendenverwaltung ist unerlässlich. Das Gleiche gilt für sehr zeitnahe Informationsweitergabe durch Dienstleister, falls diese die Spendeneingänge bearbeiten. Zu klären ist im Vorfeld und schriftlich fixiert:  Ab wann ist ein Betrag eine Großspende? Ab wann ist ein Unterstützer Großspender (Einzelbetrag und/oder kumulierter Betrag entscheidetn).

Mit Identifizierung einer Großspende sollte automatisch eine Zusammenfassung aller über die Person vorliegenden Daten erstellt oder angefordert werden; sie bilden die Grundlage einer individuellen Bedankung. Bei Neuspendern kann eine „Google“-Recherche helfen.

Grundsätzlich ist sofort das Vorhandensein einer Zweckbindung zu klären und deren verbindlich zu garantierende Umsetzung sowie die interne Erwünschtheit zu prüfen. Möglicherweise muss eine Umwidmung erfolgen.
Wenn ein Betrag in Höhe einer Großspende mit unvollständigen/ unleserlichen (Adress-) Angaben eingeht, ist über die vorhandene Kontonummer die zuständige Bank zu ermitteln und darüber der zuständige Sachbearbeiter. Dieser  – und nur er – erhält ein Fax mit der Bitte um Weiterleitung an den Spender. Zur Erstellung der Zuwendungsbestätigung ist die vollständige Postanschrift erforderlich. Das Fax sollte den Sachverhalt, einen Dank, die Bitte um Rückmeldung oder ausgefüllte Rücksendung des Fax enthalten sowie Kontaktdaten der organisationsinternen Ansprechpartnerin. Reagiert der Spender nach einiger Zeit (zwei bis drei Wochen nach Buchungseingang) nicht, kann der Vorgang wiederholt bzw. der Kontakt zur Bank intensiviert werden. Alle Bemühungen sind intern zu dokumentieren, um späteren Nachfragen/Reklamationen begegnen zu können.
Anonyme Spenden werden grundsätzlich akzeptiert.

Wenn klar ist, von wem die Großspende veranlasst wurde, sollte grundsätzlich bei größeren Beträgen sorgfältig nach der Herkunft recherchiert werden. Dies gilt vor allem für Firmenspenden und bei Privatpersonen, die in ihrer Funktion (als Vorsitzender von …, als Präsident des …) spenden. Prüfkriterien sind: Die eigene „Charta“, Satzung, Fundraising-Policy, „black list“ u. ä. Bei  Firmenspenden sollte nicht nur auf ihre Arbeits- und Funktionsweise und ihre Produktpalette, sondern auch auf Firmenverflechtungen vor allem in Drittländern, Einhaltung von Arbeitnehmerrechten, Umweltverhalten etc. geachtet werden. Der Eindruck der Annahme von Spenden aus „anrüchigen“ Quellen kann durch die sinkende Glaubwürdigkeit einen anhaltenden Image-Schaden bewirken. Bei Privatpersonen ist ein möglicher Widerspruch zwischen öffentlichem Auftreten und den Zielen der Organisation zu prüfen, zum Beispiel offen rassistische Äußerungen, Vermögen aus kriminellen Machenschaften, Verurteilungen. Weiterhin ist zu prüfen, ob die Privatperson durch die Spende Einfluss auf die Organisation ausüben könnte oder anderweitig einen Vorteil zu erschleichen versucht. Über eine Ablehnung von Spenden sollte der Geber grundsätzlich schriftlich informiert und sollten auch die Mitarbeiter in Kenntis gesetzt werden.

Die Danksagung sollte schnellstmöglich und so individuell wie machbar erfolgen. Eine Abstufung nach folgenden Kriterien ist gängige Praxis:  Betrag X, Dankbrief mit Zuwendungsbestätigung und persönlicher Unterschrift (Achtung: Zuwendungsbestätigung kann auch als Sammelbescheinigung verschickt werden, dass sollte dann aber bei Erstspendern abgefragt und bei „warmen“ Spendern explizit erwähnt werden).
Betrag X+, handschriftlicher Dank (zum Beispiel mittels Karte) mit oder ohne Zuwendungsbestätigung;
Betrag X++, handschriftlicher Dank mit Unterschriften des betreuenden Referenten und der Leitung (der Abteilung oder Organisation) mit oder ohne Zuwendungsbestätigung, Betrag X+++, Anruf der zuständigen Referentin, neben Dank Zuwendungsbestätigung-Verschickung klären.
Betrag X++++, Anruf der Leitung, neben Dank Verschickung Zuwendungsbestätigung klären.

Entscheidend ist die zeitnahe Bedankung; sie erfolgt idealerweise in derselben Woche der Anweisung; bei Kreditkartenzahlungen (Auswertung der Online-Formulare) sollte noch vor Geldeingang in der gleichen Weise gedankt werden. In jeder Variante können Incentives beigelegt werden; diese müssen jedoch wertangemessen sein und sollten so wenig Kosten wie möglich verursachen. Es bieten sich Fotos, Postkarten, Lesezeichen, Post-its und ähnliche Aufmerksamkeiten an. Bei Zweckbindungen oder thematischen Präferenzen kann ein aktueller (Projekt-)Bericht bzw. können ausgewählte Passagen aus internen Papieren, die eigens dafür zusammengestellt werden, verschickt werden. Inhaltlich ist auf eigenes vorhandenes Wissen (aus der Datenbank) zu rekurrieren („erneut“, „so langjährig“, „neben Ihrer Einzugsermächtigung“, „zusätzlich zu Ihrer Mitgliedschaft“, „diesmal zu diesem Projekt“), um eine persönliche Ebene zu erreichen. Ist der Kontakt intensiver, kann die Danksagung auch anvertraute private Details enthalten („Vielen Dank auch an Ihre Frau“, „trotz des jüngsten Urlaubs“, „so rasch nach dem Umzug“). Es sind jedoch grundsätzlich die Datenschutzbestimmungen zu beachten.

Bei Anrufen ist Vorbereitung unerlässlich. Neben allen vorhandenen Infos muss die Spendenpräferenz parat, eine notwendige Umwidmung argumentativ vorbereitet sein, z. B. in Form von Stichworten als Leitfaden. Der persönliche Charakter des Gesprächs (Dialog-Situation) setzt voraus, dass der Anrufer Informationen sachgemäß wiedergibt und das Nicht-Wissen von Inhalten mit dem Versprechen der „Nachlieferung“ offen zugibt. Das gesprochene Wort des Spenders sollte die gleiche Gewichtung wie sein geschriebenes Wort haben. Eine Dokumentation von solchen Telefonaten ist dringend empfohlen. Der Anruf durch leitende Mitarbeiter ist mit den genannten Informationen vorzubereiten, ein Abstimmungsgespräch mit begleitender Dokumentation unterenander im Anschluss unerlässlich. Bei Unklarheiten oder Missverständnissen sollte der Betreuer erneut anrufen, vor allem, wenn es um konkrete Wünsche des Gebers geht.

Quellenmaterial
Auswertung von Fragebögen zu dem Thema durch Almuth Wenta vom Ausschuss „Standards für eine gute, ethische Fundraising-Praxis“

 

Erbschaften

 

Probleme

  • Erbschleicherei,
  • Private Begünstigung,
  • Verfolgung von Sonderinteressen.

 

Entscheidungsfragen aus der Praxis

  • Testamente lassen sich zu Lebzeiten jederzeit ändern, und es besteht die Versuchung, den letzten Willen entsprechend zu lenken.
  • Fundraiser geraten in Versuchung, privat zu den Begünstigten zu gehören.
  • Fundraiser geraten in Versuchung, zu besonderen Zweckbindungen innerhalb der guten Zwecke zu raten.

 

Geltende Verhaltensregeln
Grundregeln für eine gute, ethische Fundraising-Praxis, insbesondere Regeln 5, 15 und 16; International Statement of Ethical Principles in Fundraising.

Wie Fundraiser sich verhalten sollten
Fundraiser sind ehrliche Berater potentieller Erblasser. Sie suchen nicht den persönlichen Vorteil, sondern den der NPO, für die sie tätig sind. Sie raten zu eindeutigen Nachlassregelungen, in komplizierteren Fällen unter Hinzuziehung eines Notars.

Quellenmaterial
Gerhard M. Zack: Fraud and Abuse in Nonprofit Organizations, Hoboken, N.J. 2003, S. 49ff.

 

Geldauflagen von Gerichten und Staatsanwaltschaften

 

Probleme

  • Die Daten von Geldauflagen-Zahlern werden unzureichend geschützt.
  • Für Geldauflagen werden Zuwendungsbestätigungen ausgestellt.
  • Hilfswerk A erhält immer wieder Zuwendungen aus Geldauflagen. Die Daten dazu werden vom Bußgeldreferenten jeweils mit der Buchhaltung abgeglichen. Die Daten sind zahlreichen Mitarbeitern zugänglich.
  • Organisationen nehmen Gerichte in ihre Spenden-Mailing-Listen auf, beliefern sie fortlaufend mit Spendenbriefen, Katalogen und Zeitschriften.

 

Entscheidungsfragen aus der Praxis

  • Organisation B hat keine getrennte Buchhaltung für Spenden und Geldauflagen, und beide gehen manchmal auf den gleichen Konten ein. Immer wieder kommt es vor, dass Geldauflagen-Zahler als Neuspender eingetragen und auch als solche begrüßt werden, bzw. bei Spendern, die Geldauflagen entrichten, Geldauflagen als freiwillige Zuwendungen verbucht und mit Zuwendungsbestätigungen bedacht werden.
  • Im Geschäftszimmer des Amtsgerichts B-Stadt wandern Mailings von Spendenorganisationen sofort in den Papierkorb. Die Flut undifferenzierter Zusendungen ist einfach zu groß geworden.

 

Geltende Verhaltensregeln
Grundregeln für eine gute, ethische Fundraising-Praxis, insbesondere Regeln 5, 8 und 10. Datenschutzgesteze und -verordnungen des Bundes und der Länder, der Kirchen und anderer NPOs.

Wie Fundraiser sich verhalten sollten
Die Daten von Geldauflagen-Zahlern unterliegen dem besonderen Schutz persönlichkeitsbezogener Daten. Der Umgang mit ihnen innerhalb von Organisationen ist schriftlich zu regeln.

Behörden, die berechtigt sind, Verfahren gegen Geldauflagen einzustellen, werden nicht in die Spenden-Datenbanken aufgenommen und auch nicht routinemäßig Werbemaßnahmen um Spenden ausgesetzt. Eine Überforderung dieser Einrichtungen durch übermäßigen Informationszufluss ist zu vermeiden.

Damit Zahlungen aus Geldauflagen nicht mit Spenden verwechselt werden können, sind getrennte Zahlungswege auf gesonderte Konten einzuführen und deren Unverwechselbarkeit sicherzustellen.

Quellenmaterial
Die Paritätische Geldberatung i.G. Arbeitshilfe Finanzierungsmöglichkeiten sozialer Arbeit aus Geldauflagen, Wuppertal ohne Jahr.

 

Mittel der öffentlichen Hand

 

Probleme

  • Mängel bei der Antragstellung durch ungenügende Beachtung der Antragsformalitäten, dadurch Verzögerungen bei der Projektfinanzierung;
  • Unterschätzung des Zeitaufwandes von der Antragstellung bis zur Finanzierung;
  • Qualifizierte Antragstellung kein Teil der Aus- und Fortbildung für Fundraiser.

 

Entscheidungsfragen aus der Praxis

  • Geschäftsführer Martin Müller des Musterhilfswerks e.V. hat es eilig. Schon zur Mitte des Vorjahres, wenn die Planung des Folgejahres noch gar nicht fest steht, müssen Anträge an Behörden zur Bewilligung von Mitteln für das neue Haushaltsjahr gestellt werden. Ohne sich mit seinen Mitarbeitern und mit den Behörden, bei denen die Anträge zu stellen sind, abzusprechen, entwirft der Geschäftsführer einen Finanzierungsplan für das kommende Jahr und schickt ihn ab. Ein Vierteljahr später, nachdem die Antragsfrist verstrichen ist, kommen die Anträge als nicht bearbeitungsfähig zurück. Einige Behörden haben beim Abgleich der vorliegenden Anträge darüber hinaus festgestellt, dass Mittel vom Musterhilfswerk doppelt beantragt wurden. Die Projektfinanzierungen und damit auch die Gehälter des Personals für das kommende Jahr sind stark gefährdet.
  • Heinz Meier, ehrenamtlicher Geschäftsführer des Fußballvereins X-Stadt e.V., lässt sich viel Zeit bei der Beantragung von Mitteln aus einem europäischen Fonds für ein internationales Fußballturnier, das er zu Pfingsten des nächsten Jahres geplant hat. Erst im letzten Augenblick schickt er den Antrag ab, der zwar formgerecht abgefasst ist, aber in der falschen Sprache. Der Antrag kommt, weit nach Ablauf der Antragsfrist, als nicht genehmigungsfähig, zurück. Das Fußballturnier kann nicht stattfinden.
  • Die Fundraising-Ausbildung des B-Institutes beinhaltet fast alles, was man zur Mittelbeschaffung benötigt. Nicht gelehrt wird dagegen die Beschaffung öffentlicher Mittel. Den Organisationen wird vielmehr gesagt, sie sollten sich von öffentlicher Finanzierung unabhängig machen und nach eigenen Quellen suchen. Die Organisationen versuchen daraufhin, Sponsoren und Großspender zu finden, Stiftungen zu gründen und durch massenhafte Anwerbung von Kleinförderern die nötigen Mittel zu bekommen, versäumen es aber, rechtzeitig Anträge auf öffentliche Mittel, die ihnen sogar gesetzlich zustehen, zu stellen. Die Organisationen geraten in Schieflagen und können letztlich nur durch einen rettenden Zuschuss der öffentlichen Hand als freiwillige Leistung aus ihrem Finanzdilemma befreit werden.

 

Geltende Verhaltensregeln
Grundregeln für eine gute, ethische Fundraising-Praxis, insbesondere Regeln 2 und 12.

Was Fundraiser tun sollten
Wer Anspruch auf öffentliche Zuschüsse hat, soll auf diese Möglichkeiten nicht verzichten. Freiwillige Zuwendungen sollten Mittel der öffentlichen Hand, auf die Anspruch besteht, nicht substituieren. Dabei ist es außerordentlich wichtig, sich über die Antragsregelungen der öffentlichen Hand zu informieren und Anträge frist- und formgerecht zu stellen.

Anträge auf öffentliche Zuwendungen sollten unter Beachtung eines Zeitrahmens gestellt werden, der auch Nachbesserungen möglich macht.

Die Antragsstellung auf öffentliche Mittel sollte Teil der Ausbildungsgänge von Fundraising-Ausbildung sein, ebenso die Beantragung von Mitteln bei Stiftungen und anderen Förderinstitutionen.

Annahme und Ablehnung von Spenden

Probleme

  • Spenden unerwünschter oder Image-schädigender Spender,
  • Abhängigkeit von unerwünschten Zweckbindungen,
  • Abhängigkeit von Großspendereinfluss,
  • Ausstellung fehlerhafter Zuwendungsbestätigungen.

 

Entscheidungsfragen aus der Praxis

  • Die Muster-Umwelthilfe e.V. erhält das Angebot der Firma Biotech-Muster GmbH zur Finanzierung eines Vereinsheimes. Die Firma Biotech ist jedoch dafür bekannt, dass sie Samen für genetisch veränderte Pflanzen produziert.
  • Die Großspenderin Maria Müller ist bereit, der Muster-Kinderhilfe e.V. eine Spende von 200.000 Euro zu geben, wenn sie den alternativen Kindergarten, der von ihrer Nichte gegründet wurde, für mindestens zehn Jahre in ihre Projektliste aufnimmt. Die Kinderhilfe hat jedoch den Schwerpunkt Betreuung von verwahrlosten und obdachlosen Kindern, in den der alternative Kindergarten nicht passt. Sie lehnt deshalb die Spende ab.
  • Die Organisation Musterwerk e.V. sammelt Altkleider. Bei besonders wertvollen Stücken stellt sie den Spendern Zuwendungsbestätigungen aus. Dabei wird der Wert der Kleiderspenden recht großzügig angesetzt.

 

Was Fundraiser tun sollten
Spenden, die dem Zweck von Organisationen zu wider laufen oder Schwerpunkte setzten würden, die vom Willen der Entscheidungsträger in Organisationen und Institutionen nicht getragen werden, sollten abgelehnt werden.

Spender, die ihre Zuwendungen unter unerwünschten Zweckbindungen leisten, sollten auf diesen Umstand hingewiesen und ihre Spenden notfalls zurückgewiesen werden.

NPOs dürfen sich nicht von Zuwendungen einzelner Großspender abhängig machen.

Zuwendungsbestätigungen sind besonders sorgfältig zu handhaben und dienen nicht der Vorteilsnahme von Zuwendungsgebern. Bei der Bewertung von Sachspenden mit unklarem Verkaufswert sind unabhängige Fachleute hinzuzuziehen.

Quellenmaterial
Gerhard M. Zack: Fraud and Abuse in Nonprofit Organizations, Hoboken, N.J. 2003, S. 165–167.

 

Verarbeitung und Bedankung von Spenden

 

Probleme

  • Verspäteter oder ausbleibender Dank,
  • Dank ohne Grundlage,
  • Unerwünschter Dank,
  • Unverhältnismäßig teurer Dank.

 

Entscheidungsfragen aus der Praxis

  • Die Organisation X-Hilfe benötigt lange, um die Spenden des laufenden Jahres abschließend zu buchen. Dadurch können die Zuwendungsbestätigungen erst im März des Folgejahres verschickt werden. Die Folge: Zahlreiche Proteste von Spendern, für die dann jeweils gesonderte Zuwendungsbestätigungen ausgestellt werden, die sich manchmal mit später ausgestellten überschneiden.
  • Die C-Hilfe hat das Personal in ihrer Buchhaltung soweit ausgedünnt, dass sie mit dem Verbuchen der Belege aus den Weihnachtsspenden nicht nachkommt. Gleichwohl geht im Januar ein Mailing heraus mit der Überschrift „Warum haben wir im vergangenen Jahr nichts mehr von ihnen gehört?“, das leider auch einige Förderer erreicht, die an Weihnachten kräftig gespendet hatten. Sie verzichten künftig auf Zuwendungen an die Organisation.
  • Die Organisation Y-Hilfe dankt nur einmal im Jahr, um Porto und Briefpapier zu sparen. So mancher Großspender vermisst die besondere Anerkennung der guten Tat und spendet nicht mehr.
  • Organisation Z-Hilfe dankt grundsätzlich allen Adressaten, die in ihrer Kartei stehen, für die „große Hilfe“ die „großzügigen Spenden“ im abgelaufenen Jahr. Die Briefe tragen jeweils die Überschrift „Nur dank ihrer hochherzigen Spenden konnten wir im vergangenen Jahr überleben!“. Etwa die Hälfte der Angeschriebenen hat jedoch gar nichts gegeben.
  • Alle Spender der A-Hilfe, die im abgelaufenen Jahr mehr als 200 Euro gespendet haben, bekommen aus dem Projektgebiet in Kenia ein Kaffeeservice zugeschickt mit einem Begleitbrief „Das haben unsere Schützlinge aus Ihrem Geld gemacht“. Die Portokosten sind offenkundig hoch, die Verpackung wegen des Porzellans, aufwändig, das Service ist jedoch kaum zu gebrauchen, weil es nicht zum übrigen Geschirr passt.

 

Was Fundraiser tun sollten
Organisationen sollten in die Lage versetzt werden, Zuwendungsbestätigungen nach Ende des Kalenderjahres zügig auszustellen.

Der Dank an Spender sollte zeitnah und nach Möglichkeit individuell ausgerichtet erfolgen.

Falscher und übertriebener Dank verleiht Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Werbung Nahrung und sollte deshalb unterbleiben.

Zu aufwändiger Dank sollte unterbleiben, weil er den Eindruck nährt, dass geleistete Spenden nicht dem guten Zweck zugute kommen.

Nur eine rasche Verbuchung von Spenden ermöglicht die fachgerechte, ressourcenschonende Werbung um weitere Spenden.

Quellenmaterial
Gerhard M. Zack: Fraud and Abuse in Nonprofit Organizations, Hoboken, N.J. 2003, S. 167ff; Selbstverpflichtung der Mitgliedsorganisationen des Deutschen Spendenrates e.V., insbesondere 1.

 

 

Handhabung von Sammelbehältern an festen Orten

 

Probleme

  • Sorgloser Umgang mit Sammelbehältern,
  • Unregelmäßige Leerung von Sammelbehältern.

 

Entscheidungsfragen aus der Praxis

  • Die A-Hilfe hat eine Weihnachtsaktion gestartet, an der sich auch die Presse und sogar der lokale Rundfunk intensiv beteiligt haben. Die Spender wurden aufgefordert, ihre Geldspenden in die von der Organisation bei den örtlichen Supermärkten an den jeweiligen Kassen aufgestellten Behälter zu werfen, bzw. alternativ auf die Konten der A-Hilfe zu überweisen. Da sich niemand aufgeschrieben hatte, wo überall die Behälter abgestellt wurden, wurden einige „vergessen“. Erst einen Monat nach Schluss der Aktion besannen sich die ehrenamtlichen Mitarbeiter der A-Hilfe darauf, dass sie nach den Sammelbüchsen schauen sollten. Doch zu diesem Zeitpunkt waren sie in zwei der zwanzig Supermärkte der Stadt nicht mehr auffindbar. Die nächste ähnliche Aktion der B-Hilfe wurde dadurch erschwert, dass viele Geschäftsleute sich weigerten, eine Organisation, bei der so „geschlampt“ wird und die die eingesammelten Spenden offenbar gar nicht nötig hat, noch einmal zu unterstützen.
  • Die B-Hilfe ließ in der Stadt 500 Sammelbehälter aufstellen, die sie regelmäßig monatlich leeren wollte. Das sollten zwei ehrenamtliche Kräfte tun. Sie schafften jedoch monatlich allenfalls 100 dieser Sammelbüchsen, und der Rest wurde nur alle zwei oder drei Monate geleert, was zu Anfragen der Geschäftsleute führte, ganz abgesehen davon, dass einige der Sammelbüchsen auf unerklärliche Weise nicht mehr auffindbar waren.

 

Geltende Verhaltensregeln
Grundregeln für eine gute, ethische Fundraising-Praxis, insbesondere Regel 11.
International Statement of Ethical Principles in Fundraising.

Was Fundraiser tun sollten
Sammelbehälter müssen vor Diebstahl geschützt, die Aufstellung muss gut organisiert und die Leerung regelmäßig erfolgen und kontrolliert werden.

Kein Aufsteller darf die Möglichkeit haben, unkontrolliert Barspenden beim Leeren der Büchsen abzuzweigen.

Regelmäßiges Leeren verhindert, dass sich zuviel Geld in Sammelbehältern sammelt und Begehrlichkeiten geweckt werden.

Für das Aufstellen, Abholen, Leeren und Zählen von Sammelbehältern ist genügend Personal und Zeit bereit zu stellen. Sobald der Aufwand unrentabel wird, sollten Sammelbehälter nicht mehr eingesetzt werden.

 

 

Umgang mit Barspenden

 

Probleme

  • Gefahr der Veruntreuung,
  • Verschleierung der Herkunft.

 

Entscheidungsfragen aus der Praxis

  • Emil M. ist ehrenamtlich für die A-Hilfe tätig und sammelt für sie Spenden. Eines Tages wird er arbeitslos und hat Schwierigkeiten, die Raten für einen Kühlschrank rechtzeitig zu zahlen. Da bekommt er einen größeren Betrag in bar von einer Wohltäterin im Altersheim. Er meldet die Spende zunächst nicht bei der bespendeten NPO, sondern nimmt sie als Darlehen in der festen Absicht, sie so bald wie möglich an die NPO weiterzuleiten. Das Dankschreiben an die Spenderin im Namen der Organisation verfasst er selbst.
  • Buchhalter F. hat bei seiner Firma Geld unterschlagen. Bei der Firma fällt es zunächst nicht auf. Er spendet das Geld in bar an das Flüchtlingshilfswerk X. Die NPO nimmt die Spende ohne Fragen entgegen.
  • Emil Z. ist Bauunternehmer. Jedes Jahr übergibt er dem Bürgermeister einen Betrag mit der Bitte, ihn nach eigenem Gutdünken für soziale Zwecke zu verteilen.

 

Geltende Verhaltensregeln
Grundregeln für eine gute, ethische Fundraising-Praxis, insbesondere Regeln 5, 9 und 10.

Was Fundraiser tun sollten
Anonyme Barspenden, die nicht an Bedingungen geknüpft sind, können entgegen genommen werden. Sie können auch dann als anonyme Spenden verbucht werden, wenn deren Herkunft bekannt ist.

Barspenden, bei denen der begründete Verdacht besteht, dass sie aus auf unrechtmäßige Weise erworbenen Mitteln stammen, sollten nicht entgegen genommen werden.

Zuwendungsbestätigungen auf Barspenden werden nur an denjenigen ausgestellt, bei dem die Barspende zu Vermögensabfluss geführt hat.

Der Eingang von Barspenden ist dem Vorstand bzw. der Geschäftsführung der bedachten Organisation unverzüglich anzuzeigen, die Spende der Buchhaltung unverzüglich zuzuführen.

Barerlöse und Barzuwendungen aus Benefizereignissen sind unverzüglich nach dem Vier-Augen-Prinzip zu zählen und der Buchhaltung zuzuführen.

 

 

Umgang mit gebundenen Spenden

 

Probleme

  • Umleiten von gebundenen Spenden in andere Zwecke,
  • Einwerbung von zu vielen Spenden für Anliegen mit begrenztem Spendenbedarf,
  • Einwerben von Spenden für bereits finanzierte Anliegen

 

Entscheidungsfragen aus der Praxis

  • Die Benefizaktion der A-Hilfe zugunsten der durch den Unfalltod ihres Ernährers mittellos gewordenen fünfköpfigen Familie war so erfolgreich, dass die benötigten Mittel von 5.000 Euro um 2.000 Euro überschritten wurden. Die A-Hilfe verbucht die zusätzlichen Mittel als allgemeine Zuwendungen.
  • Die Organisation B-Hilfe verschickt Mailings, in denen sie für den Wiederaufbau eines beim Erdbeben zerstörten Dorfes in Kaschmir wirbt. Die Bilder aus dem Dorf sind zwar dramatisch, aber veraltet. Die Organisation sammelt dennoch unter Benutzung der Bilder aus dem Dorf um Spenden mit dem Hinweis, dass nicht für das Projekt benötigte Mittel ähnlichen zufließen.

 

Geltende Verhaltensregeln
Grundregeln für eine gute, ethische Fundraising-Praxis, insbesondere Regeln 5, 6 und 11; International Statement of Ethical Principles in Fundraising.

Was Fundraiser tun sollten
Zweckgebundene Spenden dürfen nur dann für andere Zwecke verwendet werden, wenn die Spender dem ausdrücklich zugestimmt haben.

Werden zweckgebundene Spenden in großem Stil für unterschiedliche Projekte gesammelt, sollte für jedes Projekt ein Fundraising-Budget mit projektierten und tatsächlich erzielten Einnahmen angelegt werden, und zwar so, dass es interessierten Förderern übermittelt werden kann.

Spenden für Projekte, die bereits ausfinanziert sind, dürfen nur dann für verwandte Projekte benutzt werden, wenn dies in der Werbung ausdrücklich betont worden ist. Andernfalls müssen die Spender gefragt werden, ob die Spenden anderweitig verwendet oder wieder zurückgezahlt werden sollen.

Das Einwerben von Spenden zur Behebung von Notlagen, die bereits behoben sind, ist nicht zulässig, auch wenn es noch ähnliche Notfälle gibt, die der Abhilfe bedürfen.

Quellenmaterial
Gerhard M. Zack: Fraud and Abuse in Nonprofit Organizations, Hoboken, N.J. 2003, S. 172–181.

 

Anlegen von Geldern

 

Probleme

  • NPO-Gelder werden riskant angelegt.
  • NPO-Gelder werden sicher angelegt, aber in Unternehmen, deren Tätigkeit mit den Zielen der NPO nicht vereinbar ist.
  • NPO-Gelder werden in Unternehmungen von Vorstandsmitgliedern oder leitenden Mitarbeitern angelegt.
  • NPO-Gelder werden nicht angelegt; Wertminderung tritt ein.
  • Es werden zu hohe Rücklagen gebildet.
  • Gelder, die für rasche Hilfe eingeworben wurden, werden langfristig in Rücklagen gelegt.

 

Entscheidungsfragen aus der Praxis

  • Die A-Stiftung hat das Stiftungsvermögen bisher immer konservativ angelegt, jedoch damit nur geringe Jahreserträge erzielt. Da der Finanzbedarf größer wird, hat der Stiftungsvorstand entschieden, das Vermögen in Aktien anzulegen, die gewöhnlich profitabel sind, die jedoch einem hohen Kursrisiko unterliegen.
  • Die B-Stiftung widmet sich überwiegend der Raucherprävention. Über eine Erbschaft bekommt sie zahlreiche Wertpapiere, darunter einige hochprofitable von Unternehmen, deren Haupttätigkeit in der Herstellung von Tabakwaren besteht. Die Stiftung will die Aktien in ihrem Portfolio halten, weil sie mit den Dividenden viel Gutes tun kann.
  • Fundraiser F. ist privat an Unternehmen beteiligt, die dringend eine Geldzufuhr brauchen. Er bringt die NPO, für die er tätig ist, dazu, Gelder ebenfalls in diesen Unternehmen anzulegen.
  • „In Zeiten der Krise müssen wir uns wappnen und mindestens zwei Jahre ohne Spendeneinnahmen und Zuschüsse überstehen können“, begründet der Vorstand des Museumsvereins die hohe Rücklagenbildung aus Spendenmitteln. Mit dem Finanzamt wurde eine entsprechende Vereinbarung getroffen.
  • Die Denkmalschutzorganisation X hat sich viel vorgenommen. Sie hat alte Bauernhäuser im Schwarzwald aufgekauft, will sie renovieren und zu Museen machen. Bei einem starken Unwetter werden Dächer der Häuser undicht. X sammelt mit einem Mailing Soforthilfe für die Reparatur der Dächer. Die Spenden fließen reichlich, nachdem sich auch das regionale Fernsehen zur Unterstützung des Aufrufes entschlossen hat und sogar eine Benefizgala ausstrahlt. Doch großzügige öffentliche Hilfe deckt die Kosten inzwischen ab. Das Geld fließt in die Rücklagen der Organisation.

 

Geltende Verhaltensregeln
Grundregeln für eine gute, ethische Fundraising-Praxis, insbesondere Regel 5;
International Statement of Ethical Principles in Fundraising; DZI Spenden-Siegel. Leitlinien und Ausführungsbestimmungen – Selbstverpflichtung zum Spenden-Siegel, besonders Bestimmung 4.

Wie Fundraiser sich verhalten sollten
Fundraiser sollten darauf hinwirken, dass Spenden und Zustiftungen nicht riskant angelegt werden. Gegebenenfalls sind Aufsichtsbehörden (Finanzamt, Stiftungsaufsicht) zu fragen, wie bestimmte Anlageformen im Sinne der Bewahrung des Vermögens beurteilt werden sollen. Vor allem muss sichergestellt werden, dass bestimmte Anlageformen die steuerliche Gemeinnützigkeit der NPO nicht gefährden.

Abzuraten ist von der Verknüpfung privater Anlageinteressen mit denen der eigenen NPO, selbst wenn sie noch so lukrativ erscheinen.

Werden Spenden, die für Soforthilfe gedacht waren, den Rücklagen für langfristige Projekte zugeführt, sind die Spender davon zu unterrichten.
Fundraiser achten auf eine Mittelverwendung im Sinne der Spender. Wird den Spendern ständig Geldnot signalisiert, um sie zum Spenden zu veranlassen, dürfen keine Rücklagen gebildet werden, die diese Aussagen in Frage stellen.

 

Zusammenarbeit mit Unternehmen

Probleme

  • Abhängigkeit von der Unternehmensfinanzierung;
  • Kompromittierung durch Firmenaktivitäten (Umweltverschmutzung, Entlassung von Mitarbeitern, Kinderarbeit, Arbeiten für die Rüstung etc.)
  • Inhaltliche Einflussnahme der Firma.

 

Entscheidungsfragen aus der Praxis

  • Firma X vereinbart mit der Oper in Z. auf zehn Jahre eine jährliche Unterstützungssumme, die zum Teil im Wege des Sponsorings, zum Teil als Spende fließen soll. Die Oper nimmt die Summe als garantierte Einnahme ins Budget auf und plant entsprechend neue Inszenierungen ein. Sie schließt langfristige Verträge mit dem Personal auf und hinter der Bühne ab. Nach fünf Jahren wechselt das Management der Firma. Der neue Vorstand beschließt den vorzeitigen Ausstieg aus dem Vertrag. Die Oper verliert einen wichtigen Förderer und kann eingegangene Verpflichtungen nicht mehr erfüllen.
  • Der Schuhhersteller X sponsert das Kinderhilfswerk A und wirbt nachdrücklich mit dieser Hilfe. Es stellt sich heraus, dass in Fabriken in Indien, die der Firma Schuhe zuliefern, unter unwürdigen Bedingungen Kinder arbeiten müssen. Die Medien stellen die Werbung der Firma mit ihrem Engagement für Kinder neben Bilder aus den Fabriken, in denen Kinder für den Schuhhersteller schuften.
  • Die Selbsthilfeorganisation der Herztransplantierten setzt sich für ein neues Medikament ein, das Plantate haltbarer und leichter verträglich macht. Die NPO wird von einem Pharmahersteller gesponsert, der ein konkurrierendes Präparat herstellt und unmissverständlich deutlich macht, dass diese Förderung Empfehlungen für die Konkurrenz ausschließt.

 

Geltende Verhaltensregeln
Grundregeln für eine gute, ethische Fundraising-Praxis.
International Statement of Ethical Principles in Fundraising.

Wie Fundraiser sich verhalten sollten
Wenn von Firmenzuwendungen langfristige Projekte und Personal abhängen, sollten Ausstiegsklauseln genau geprüft werden. Sowohl die Geber als auch die Nehmer sollten das Recht zum Ausstieg haben, aber mit Kündigungsfristen, die beiden Seiten Dispositionsmöglichkeiten lassen.

Sponsoren sollten sorgsam danach ausgewählt werden, dass der NPO aus der Zusammenarbeit kein Image-Schaden entsteht.

Inhaltliche Abhängigkeiten von Sponsoren müssen vermieden werden, wenn die NPO ihre Glaubwürdigkeit und Unabhängigkeit bewahren will. Das gilt besonders dort, wo die Gesundheit der Allgemeinheit vom guten Rat vertrauenswürdiger, als unabhängig eingeschätzter NPOs abhängt. Das gilt nicht unbedingt für Firmenstiftungen, bei denen angenommen werden kann, dass sie nicht gegen die Interessen der sie stiftenden Firma handeln.